In Kassel verbringt seit diesem Schuljahr jedes Kind der zweiten Klassen eine volle Schulwoche im Schwimmbad. Rund 1.400 Zweitklässlerinnen und Zweitklässler sind im ersten Durchlauf dabei.
Das Projekt heißt "Kasseler Welle" und wird von der Stadt und der Universität Kassel getragen. Die Buchstaben stehen für "Wasser Erleben Lernen, Leben Erhalten". Nach Angaben der Universität ist ein solches Angebot im deutschsprachigen Raum bisher einmalig. Ziel ist nicht das Schwimmabzeichen, sondern Sicherheit im Wasser.
Der Ablauf ist für alle Klassen gleich. An fünf aufeinanderfolgenden Tagen sind die Kinder täglich 90 Minuten im Wasser, so die Universität Kassel. Sie üben Gleiten, Schweben, Atmen, Auftauchen und Springen. Kurze Theorieeinheiten behandeln Baderegeln, Gefahrensituationen und einfache Maßnahmen der Selbst- und Fremdrettung.
Im Auebad sind dafür täglich zwei Bahnen reserviert. Im zwei Meter tiefen Schwimmerbecken liegen höhenverstellbare Unterwasserplattformen, berichtet die hessenschau. Die Übungsleitenden passen damit die Wassertiefe an den Lernstand an. Farbige Armbänder zeigen diesen Stand an. Rot steht für ängstliche Kinder, Blau für souveräne.
Studierende begleiten den Unterricht
Angeleitet werden die Gruppen von mehr als 50 Sportstudierenden der Universität Kassel. Sie belegen dafür die neue Lehrveranstaltung "Vermittlung und Diagnostik von Schwimmkompetenzen". Den Lernstand jedes Kindes halten sie digital fest.
"Es geht nicht darum, möglichst schnell ein Schwimmabzeichen zu machen", sagt Bildungsdezernentin Nicole Maisch in der Mitteilung der Universität. Die Kinder sollten im Wasser Sicherheit gewinnen und Gefahren einschätzen lernen. Oberbürgermeister Sven Schoeller nennt als Ziel, dass kein Kind die Grundschule ohne Schwimmfähigkeit verlässt.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Tauchen. Sebastian Fischer vom Institut für Sport und Sportwissenschaft nennt das horizontale Wegtauchen gegenüber der hessenschau "eine der lebensnotwendigsten Strategien im Wasser". Geprüft werde sie bei keinem Schwimmabzeichen. Gemeint ist etwa die Lage, dass ein gekentertes Stand-up-Paddle-Board über dem Kopf treibt.
Kosten entstehen den Familien nicht. Schulbusse der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft bringen die Klassen zum Bad. Die Schulen stellen Lehrkräfte, die Städtischen Werke die Bäder, dazu kommen Spenden.
19 der 26 Kasseler Grundschulen machen im ersten Jahr mit, die übrigen sollen folgen. Bis 2030 sollen laut Stadt mehr als 8.000 Kinder das Programm durchlaufen haben. Ob die Wassergewöhnung am Ende auch die Zahl der Badeunfälle senkt, wird sich erst über Jahre zeigen.
