Wer in England einen Pub in Wohnungen oder Büros umbauen will, muss künftig nachweisen, dass der Betrieb keine realistische Zukunft hat. Die Regel gilt ab dem 17. August mit einer überarbeiteten Fassung des nationalen Planungsrahmens.

Der Schutz gilt nun für jeden bedrohten Pub. Eine frühere Entwurfsfassung hätte nur den letzten Pub eines Ortes erfasst. Verbände warnten, damit gingen Tausende Häuser verloren. Der Anlass ist das Tempo der Schließungen. Die Campaign for Real Ale zählt für 2026 bereits 794 geschlossene Pubs in England. Davon wurden 82 abgerissen oder umgebaut und sind damit dauerhaft verschwunden.

Zum geforderten Nachweis gehört, dass der Pub mindestens zwölf Monate zum Verkauf angeboten wurde. Die Kommunen müssen zudem abwägen, was eine Gemeinde mit ihrem Treffpunkt verliert. Laut BBC sollen die Regeln verhindern, dass Eigentümer einen Betrieb gezielt herunterwirtschaften, um die Schließung zu begründen.

Der Planungsrahmen legt die Planungspolitik für England fest und bindet die Kommunen. Schottland, Wales und Nordirland haben eigene Systeme. Dasselbe überarbeitete Dokument soll den Wohnungsbau beschleunigen, mit dem Ziel von 1,5 Millionen Wohnungen in dieser Legislaturperiode.

„Pubs sind Teil dessen, was wir als Nation sind“, sagte Wohnungsbauministerin Angela Rayner. „Dort feiern wir, trauern wir, streiten wir und gehören dazu. Sie sind das schlagende Herz vieler unserer Gemeinden, und es ist ein Skandal, dass schwache Schutzregeln zu viele von ihnen kampflos haben verschwinden lassen.“ Der nötige Wohnungsbau dürfe nie die geliebten Pubs kosten.

Kosten, nicht Umbauten

Die Branchenverbände begrüßen den Schritt, zweifeln aber an seiner Wirkung. „Das größte Problem der Gastgewerbebetriebe sind Kosten wie Mehrwertsteuer und Gewerbesteuern, die Pubs überhaupt erst aus dem Markt drängen“, sagte Allen Simpson, Chef des Verbands UKHospitality. Alles, was den Gemeinden solche Einrichtungen erhalte, sei zu begrüßen.

Die Betreiber führen die Schließungen auf höhere Arbeitgeberbeiträge, den gestiegenen Mindestlohn und teurere Lebensmittel zurück. Keinen dieser Punkte berührt das Planungsrecht. Verändert wird der Ausgang: Ein gescheiterter Pub lässt sich nicht mehr schnell und unbemerkt umwidmen. Die Entscheidung liegt jetzt bei den Kommunen.