Taiwans Kabinett hat die Siraya am 30. Juli 2026 als 17. indigenes Volk der Insel anerkannt. Die Entscheidung gibt einem Volk einen Status zurück, den der Staat ihm jahrhundertelang verweigert hatte.

Die Siraya sind das erste Volk der sogenannten Pingpu, das ihn erhält. Die Pingpu lebten in den Ebenen und an den Küsten Taiwans, wo die Kolonialverwaltungen den Druck zur Anpassung am härtesten ausübten. Weil sie als gut assimiliert galten, blieben ihnen nicht nur der indigene Status verwehrt, sondern auch rechtlicher Schutz, Fördermittel und Sprachförderung, wie sie die Völker der Berge erhalten, berichtet Mongabay.

„Ich habe in einer Kabinettssitzung offiziell verkündet, dass die Siraya in Taiwan ein rechtlich anerkanntes indigenes Volk sind", sagte Premierminister Cho Jung-tai am 30. Juli unter dem Jubel von Angehörigen der Gemeinschaft. Wan Cheng-hsiung, Gründer des Siraya-Kulturvereins in Tainan, rief auf Siraya: „Wir sind endlich zu Hause angekommen!"

Den rechtlichen Weg eröffnete das Parlament am 17. Oktober 2025 mit dem Statusgesetz für die indigenen Pingpu-Völker, berichtet die Taipei Times. Der Rat für indigene Völker stellte den Antrag nach eigenen Angaben erst nach wissenschaftlicher Prüfung, öffentlicher Anhörung und einer Verständigung innerhalb der Gemeinschaften. Ab Mitte August 2026 können berechtigte Siraya bei ihrer Kommune die Eintragung ins offizielle Register beantragen und den Status anschließend beim Einwohnermeldeamt eintragen lassen.

Drei Jahrzehnte Gerichte und Kampagnen

Die Siraya sind traditionell matrilinear und leben vor allem in und um die südtaiwanische Stadt Tainan. Ihre Sprache Sinckan ist auch deshalb überliefert, weil niederländische Missionare sie zwischen 1624 und 1662 in lateinischer Schrift festhielten, berichtet Global Voices. Die Qing-Dynastie, die japanische Kolonialverwaltung und später die Kuomintang drängten die Gemeinschaft, diese Sprache aufzugeben und chinesische Namen und Bräuche zu übernehmen.

Die Aktivistin Uma Talavan reichte 2010 eine Klage auf Anerkennung ein. Untere Gerichte wiesen sie mehrfach ab. Im November 2022 entschied das Verfassungsgericht, dass der Ausschluss der Pingpu vom indigenen Status verfassungswidrig sei, und setzte dem Parlament eine Frist von drei Jahren für ein Gesetz.

Die Größenordnung ist beträchtlich. In Tainan waren 2016 mehr als 11.800 Siraya registriert. Aktivistinnen und Wissenschaftler schätzen, dass landesweit 250.000 bis 350.000 Menschen sich als indigen verstehen, ohne anerkannt zu sein. Das Innenministerium zählt 629.000 Menschen mit eingetragener indigener Abstammung, rund 2,7 Prozent der Bevölkerung.

Jolan Hsieh forscht an der National Dong Hwa University zu indigenen Themen und trägt auch den Siraya-Namen Bavaragh Dagalomai. Die Wirkung könne tiefgreifend sein, sagte sie Mongabay, doch die Anerkennung sei erst der Anfang. Was daraus werde, hänge von politischer Vertretung, Bildung, Sprachförderung und Landfragen ab.