Billy Caldwell wurde als Säugling zum Sterben aus der Klinik nach Hause geschickt. Ärzte sagten seiner Mutter, er werde seinen ersten Geburtstag nicht erleben. Das war 2005. Im Juli 2026 feierte er seinen 21. Geburtstag im Haus der Familie in Castlederg in der nordirischen Grafschaft Tyrone. Seit drei Jahren hatte er keinen Anfall mehr.

Caldwell leidet an einer schweren Form von Epilepsie und ist Autist. In der schlimmsten Zeit erlitt er 300 bis 800 lebensbedrohliche Anfälle am Tag, berichtet der Ulster Herald. Sein Fall wurde zum Auslöser für eine Änderung des britischen Arzneimittelrechts.

Die Suche nach einer Behandlung führte die Familie mehrfach über den Atlantik. Der Ulster Herald sammelte 2007 rund 250.000 Pfund für eine Spezialbehandlung in Chicago. Dort reduzierte der Epilepsie-Spezialist Douglas Nordli Billys Mischung aus Antiepileptika und ergänzte sie um eine ketogene Diät, Physiotherapie und Logopädie. Der Guardian datiert die Behandlung in Chicago auf 2010. In beiden Darstellungen ließen die Anfälle danach für mehrere Jahre nach.

2016 kehrten sie zurück. Der Spezialist, inzwischen in Los Angeles tätig, überwies Billy an einen Arzt, der mit Cannabismedizin arbeitet. Die Behandlung mit Cannabidiol, einem Cannabis-Wirkstoff ohne Rauschwirkung, brachte die Anfälle wieder unter Kontrolle.

Eine Beschlagnahmung, die das Gesetz veränderte

2017 erhielt Billy als erster Mensch im Vereinigten Königreich ein Rezept des Gesundheitsdienstes NHS für medizinisches Cannabis, berichtet der Ulster Herald. Ein Hausarzt verschrieb das Mittel bis Mai 2018 weiter, dann untersagte ihm der NHS das, schreibt der Guardian. Das britische Recht verlangte damals, dass solche Verschreibungen auf klinischen Studien beruhen. Die Familie flog nach Toronto, um Nachschub zu besorgen. Am Flughafen Heathrow beschlagnahmten Zollbeamte das Medikament. Zwei Tage später erlitt Billy einen Anfall, zwei Tage darauf einen langanhaltenden.

Unter öffentlichem Druck erteilte die Regierung eine Notfalllizenz. Wenige Wochen später erkannte sie den Nachweis eines therapeutischen Nutzens an und erlaubte Fachärzten, Cannabismedizin zu verschreiben. Der Fall eines weiteren Kindes, Alfie Dingley, wirkte in dieselbe Richtung, merkt der Ulster Herald an.

„Wir hätten nie gedacht, dass Billy 21 wird und drei Jahre ohne Anfall bleibt“, sagte seine Mutter Charlotte Caldwell der Zeitung. Ihr Sohn kann inzwischen erstmals Treppen hinauf- und hinuntergehen, liebt den Strand und lernt gerade Wakeboarden.

Das Zugangsproblem, das sie beschreibt, besteht weiter. Der NHS verschreibt nur stark eingeschränkt, was viele Familien in einen teuren privaten Markt drängt. Charlotte Caldwell hat die Interessengruppe Transparent Responsible Adult-Use Controlled Data gegründet, um einen breiteren Zugang durchzusetzen.