Der Betonball am Sunset Boulevard kehrt zurück. Sony Pictures Entertainment übernimmt Hollywoods Cinerama Dome und will das Kino für eine Wiedereröffnung Anfang 2028 restaurieren. Damit endet eine Schließung, die 2020 mit der Pandemie begann und die viele in Los Angeles längst für endgültig hielten. Die Bauarbeiten starten im kommenden Monat, betrieben wird das Haus von Alamo Drafthouse, jener Kinokette, die Sony 2024 gekauft hat.

Der Dome ist gleich zweifach ein Wahrzeichen: als Architektur und als Filmgeschichte. Eröffnet 1963, war er als erster von rund 300 ähnlichen Bauten weltweit gedacht; die übrigen entstanden nie. Geblieben ist ein einzelner Saal mit 956 Plätzen unter einem Dach aus 316 Sechs- und Fünfecken aus Beton. Auf der gut 26 Meter breiten gekrümmten Leinwand liefen Vorführungen von "2001: Odyssee im Weltraum" und "Unheimliche Begegnung der dritten Art", das Gebäude selbst ist in "Once Upon a Time in Hollywood" zu sehen. 1998 erklärte Los Angeles es zum historischen Kulturdenkmal.

Die Schließung war weniger eine unternehmerische Entscheidung als ein Zusammenbruch. Pacific Theatres, die Kette von William R. Forman, der den Dome 1963 errichten ließ, meldete 2021 Insolvenz an und kündigte an, sämtliche Standorte der Marke und ihrer Schwesterkette ArcLight zu schließen. Seither sammelten Kinogänger Unterschriften und demonstrierten für eine Wiedereröffnung.

Was sich ändert – und was nicht

Erhalten bleiben soll laut Sony genau das, wofür das Publikum kommt: die Fassade und der Name Cinerama, die Einrichtung im Mid-Century-Modern-Stil, die großformatige Projektion auf die gekrümmte Leinwand und ein klassischer Verkaufstresen für Snacks. Ein Restaurantkino wird der Dome nicht – ungewöhnlich für Alamo Drafthouse, dessen aufwendige Speisekarten zum Markenkern gehören. Der benachbarte Komplex mit 14 Sälen, das frühere ArcLight Hollywood, öffnet zeitgleich unter dem Namen Alamo und erhält sehr wohl das gastronomische Konzept; seine 35-mm- und 70-mm-Projektion bleibt erhalten.

"Verdammt noch mal, wir holen den Dome zurück", sagte Tom Rothman, Chef der Filmsparte von Sony, der den Kauf als Investition in Hollywood im wörtlichen Sinne beschrieb. Michael Kustermann, der Alamo Drafthouse und Sony Pictures Experiences leitet, nannte den Standort das neue Flaggschiff des Unternehmens an der Westküste und stellte ein entsprechendes Programm in Aussicht.

Hinter der Nostalgie steckt eine Wette auf eine Gewohnheit, die sich als zäher erwiesen hat als erwartet. Die Kinobesuche erholen sich vom Einbruch der Pandemiejahre, und eine im Frühjahr veröffentlichte Studie von Fandango sieht ausgerechnet die Generation Z und die Millennials mit rund sieben Besuchen pro Jahr als eifrigstes Kinopublikum. Die allererste Vorstellung im Dome war 1963 übrigens "Eine total, total verrückte Welt".