Bemalte Tongefäße aus der Oase Qurayyah im Nordwesten Saudi-Arabiens waren vor rund 3200 Jahren ein Exportschlager mit unverwechselbarem Erscheinungsbild. Ein internationales Team unter Leitung der Archäologin Marta Luciani von der Universität Wien stuft sie deshalb als frühe Marke ein. Die Studie erschien im Fachjournal PLOS One.

Grundlage sind Funde aus einem Töpferofen in der Oase, berichtet Der Standard. Die Fachleute untersuchten, mit welcher Technik die Gefäße geformt wurden, wie sie chemisch zusammengesetzt sind und welche Ablagerungen in den Tonmischbecken zurückblieben. Beteiligt waren unter anderem Pamela Fragnoli vom Österreichischen Archäologischen Institut der Akademie der Wissenschaften und Johannes H. Sterba von der Technischen Universität Wien.

Für den Begriff Marke hat das Team einen Kriterienkatalog erarbeitet. Die Ware stammte aus einem einzigen Produktionszentrum. Sie war technologisch einheitlich und optisch unverwechselbar. Sie zielte auf den Handel und verbreitete sich weit. Und sie wurde anderswo nachgeahmt. Die Kopien bestanden nicht aus demselben Ton und waren schlechter bemalt. „Also wie bei Adidas-Imitaten, wenn man so will“, sagte Luciani dem Standard.

Die Produktion begann vor etwa 3600 Jahren und entwickelte sich vier Jahrhunderte lang weiter. Danach verfügten die Werkstätten über ein großes Repertoire an rot-schwarzen Motiven. Dargestellt sind Löwen, Steinböcke, Strauße, Füchse, Hunde und Eidechsen. Menschen erscheinen in Bewegung und in Ritualen. Männer tragen nackte, muskulöse Oberkörper, dazu am Gürtel einen Dolch oder die Zügel eines Streitwagens. Frauen tanzen in langen Gewändern, sagte Luciani der Zeitung The National.

Handel über Hunderte Kilometer

Die Gefäße gingen nach Norden in die südliche Levante, etwa nach Tell el-Kheleifeh und zum Hathor-Heiligtum von Timna, sowie nach Süden bis nach Nordarabien. Das erläutert Ko-Autorin Doralice Klainscek, Doktorandin an der Universität Wien, gegenüber The National. Die Produktion überstieg den örtlichen Bedarf deutlich. Die Töpfertradition der Oase hielt danach noch tausend Jahre an, bis weit in die späte Eisenzeit.

Das Team benannte die Keramik zugleich um. Bisher hieß sie „Midianitische Keramik“. „Die frühere fälschliche Bezeichnung entstand aus der Welle der biblischen Archäologie, die Artefakte und Keramik gerne mit einem Volk identifiziert hat“, sagte Luciani dem Standard. Eine solche Zuordnung setze voraus, dass alle Nutzer derselben Volksgruppe angehörten. Das treffe praktisch nie zu. Der neue Name lautet „Qurayyah Painted Ware“.

Offen bleibt, wie viele weitere Marken es in der Bronzezeit gab. Luciani betont, dass die Oasenbewohner trotz knapper Ressourcen wie Ton, Wasser und Brennstoff an überregionalen Wissensnetzen teilhatten. Ihre Schlussfolgerungen reichen nach ihren Worten über die Archäologie hinaus, bis zu der Frage, wie Produzenten und Käufer wirtschaftlich zueinanderfanden.