Das Australian Museum in Sydney hat die Gebeine von 17 Vorfahren der Rapa Nui an die Osterinsel zurückgegeben. Eine deutsche Marineexpedition hatte sie im September 1882 von Grabstätten der Insel entfernt. Das Museum kaufte sie im Jahr darauf und bewahrte sie mehr als 140 Jahre lang auf.
In eine weitere Sammlung kommen sie nicht. "Für uns sind sie unsere Vorfahren. Jeder Knochen wird an seinen ursprünglichen Ort zurückkehren. Sie kehren zurück zu den Ahu", sagte Carlos Edmunds Paoa, der Präsident des Ältestenrats von Rapa Nui, der Zeitschrift "The Art Newspaper". Ahu sind die steinernen Plattformen, auf denen die Moai-Statuen der Insel stehen. Die Gebeine eines Häuptlings wurden darunter gelegt, damit er sein Volk durch die Statue weiter beschützt.
Die Expedition führte Kapitän Wilhelm Geiseler, der Kommandant der SMS Hyäne. Sie nahm die Gebeine und eine Haarprobe vom Rano Raraku mit. Museen und private Sammler in Europa, den USA und Australien konkurrierten damals um menschliche Überreste aus fernen Regionen. Ein großer Teil dieses Sammelns geschah im Namen einer Rassenkunde, die heute als pseudowissenschaftlich gilt.
Zwei Jahre Vorbereitung
Der Übergabe gingen zwei Jahre Abstimmung zwischen dem Museum, der Gemeinschaft der Rapa Nui sowie australischen und chilenischen Behörden voraus. Bei der Zeremonie in Sydney entschuldigte sich Museumsdirektorin und Geschäftsführerin Kim McKay. "Unsere Institution war am Kauf menschlicher Überreste beteiligt, entnommen ohne Zustimmung aus Ruhestätten, die niemals gestört werden sollten", sagte sie. "Das war falsch."
Am 17. Juli trafen die Gebeine in Santiago ein. Chiles Unterstaatssekretär für Kulturerbe, Emilio De la Cerda, leitete am Flughafen eine Zeremonie, bevor sie weiter nach Rapa Nui geflogen wurden. Dort empfingen sie die Inselbewohner.
Pater Francisco Nahoe, der Rückführungen an die Rapa Nui weltweit koordiniert, sagte dem Museum, es habe sich den Respekt der Insel verdient. "Man muss das Richtige tun", sagte McKay der Nachrichtenagentur AAP. "Es gibt heute keinen Grund mehr, die Gebeine indigener Vorfahren in einem Museum zu behalten."
Diese Rückgabe reiht sich in andere ein. Das Kon-Tiki-Museum in Oslo schickte 2024 elf Kisten mit Gebeinen und archäologischen Stücken zurück, nach früheren Rückgaben in den Jahren 1986 und 2006.
Das bekannteste Stück bleibt, wo es ist. Hoa Hakananai'a, ein 2,4 Meter hoher Moai aus Basalt, wurde 1868 von der Besatzung des britischen Vermessungsschiffs HMS Topaze mitgenommen. Er zählt bis heute zu den größten Attraktionen des British Museum. Edmunds Paoa räumt ein, dass die Statue in London gut versorgt ist. Zurückholen wolle die Insel sie trotzdem.
