Archäologen haben in der antiken Stadt Sardes im Westen der Türkei die Marmorstatue eines jungen Mannes geborgen, die einst 2,2 Meter hoch war. Das türkische Kultur- und Tourismusministerium gab den Fund am 4. August 2026 bekannt.
Erhalten blieb die Skulptur, weil römische Bauleute sie wiederverwendeten. Sie legten sie mit dem Gesicht nach unten als Pflaster in eine Säulenstraße. Das schützte Gesicht und feine Ausarbeitung über Jahrhunderte. Aus dem Boden kam die Figur in zwei großen Teilen. Die Füße und mehrere kleinere Fragmente fehlen.
Die Stilanalyse datiert das Werk auf die Zeit zwischen 470 und 450 v. Chr., teilt das Ministerium mit. Sardes war damals Sitz der westlichen Satrapie des persischen Achämenidenreichs, davor Hauptstadt Lydiens. Monumentale Marmorfiguren aus dieser frühen Zeit tauchen im gesamten Mittelmeerraum nur selten auf.
Ungewöhnlich ist die Mischung der Stile. Aufrechte Haltung und langes Haar folgen der Konvention des 6. Jahrhunderts. Die geäderten Hände und die Modellierung des Gesichts gehören ins 5. Jahrhundert. „Das ist ein Bildhauer, der wusste, was in Griechenland und Italien vor sich geht, und der die Person dennoch so darstellt, wie seine Vorfahren dargestellt wurden", sagte Nicholas Cahill, Grabungsleiter der Sardis Expedition, der Art Newspaper.
Die Kleidung weist in dieselbe Richtung. Der junge Mann trägt einen schweren Himation über einem dünnen Chiton, darunter ein Gewand mit waagerechten Streifen. Diese Kombination ist von keiner vergleichbaren Statue aus Anatolien oder dem griechischen Mutterland bekannt, so das Ministerium. Die Forschenden deuten sie als lokale lydische Tracht. In der rechten Hand hält die Figur eine Frucht, vermutlich eine Quitte und wohl eine Gabe an eine Gottheit.
Cahill hält den Fund für bedeutend, weil über die Lyder so wenig bekannt ist. Sardes ist die einzige große lydische Fundstätte. Dort wird seit mehr als 70 Jahren gegraben, ohne dass eine monumentale Skulptur dieser Art zum Vorschein kam. Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy nannte sie eines der seltenen erhaltenen Beispiele monumentaler Marmorplastik jener Epoche.
Die Jahrhunderte im Boden haben eine dicke Mineralkruste auf dem Marmor hinterlassen. Restauratoren werden sie behutsam abtragen, denn antike Statuen waren bemalt, und Reste der Pigmente könnten erhalten sein. Auch die Erde rund um den Fundort wird auf Farbspuren untersucht. Nach Abschluss dieser Arbeiten soll die Statue im Museum von Manisa ausgestellt werden.