Der Teppich von Bayeux bricht mitten in der Erzählung ab. Die letzte erhaltene Szene zeigt den Tod Harolds II. und die Flucht seiner Truppen nach der Schlacht von Hastings im Jahr 1066. Die meisten Historiker nehmen an, dass einst zweieinhalb bis drei Meter Stoff folgten, wahrscheinlich mit der Krönung Wilhelms des Eroberers am Weihnachtstag 1066. Dieses fehlende Stück ist nun eine Schulaufgabe.

Die Denkmalorganisation English Heritage und die französisch-britische Stiftung Art Explora haben den kostenlosen Wettbewerb „Beyond the Battle“ gestartet. Er fordert Grundschulklassen im ganzen Vereinigten Königreich auf, eine eigene Schlussszene zu entwerfen und zu sticken. Teilnehmen können Kinder zwischen sieben und elf Jahren. Die Aufgabe führt bewusst weg von der Eroberung. Die Schüler sollen ein besseres Morgen zeigen, dazu die Menschen, Taten und Werte, die es möglich machen, heißt es in der Ankündigung der Veranstalter. Der Wettbewerb startet Ende September 2026.

Die teilnehmenden Klassen erhalten Unterrichtsmaterial der Sticktkünstlerin Jessica Grady, berichtet The Art Newspaper. Die Gewinnerklassen reisen nach London zum Teppich und zum Schlachtfeld von Hastings. Die Zweitplatzierten bekommen einen finanzierten Besuch der nächstgelegenen normannischen Stätte von English Heritage. Die besten Arbeiten kommen in eine eigene Ausstellung.

Eine Leihgabe nach fast tausend Jahren

Der Wettbewerb begleitet die erste Rückkehr des Teppichs nach England seit seiner Entstehung. Trotz des Namens ist das Werk nicht gewebt, sondern mit farbiger Wolle auf Leinen gestickt. Es ist fast 70 Meter lang und erzählt seine Geschichte in 58 Szenen. Das British Museum zeigt es vom 10. September 2026 bis zum 11. Juli 2027 in der Sainsbury Exhibitions Gallery, während sein Museum in der Normandie saniert wird. In London hängt der Teppich erstmals waagerecht. Das Museum will Tausende Freikarten für britische Schulen ausgeben.

„Der Teppich von Bayeux ist ein ikonisches Symbol unserer gemeinsamen europäischen Kulturgeschichte“, sagt Frédéric Jousset, der Gründer von Art Explora.

Die Lücke zu füllen ist keine neue Idee. Stickerinnen und Sticker auf der Kanalinsel Alderney arbeiteten ein Jahr lang an einer Krönungsszene, in der Technik und nach den Gestaltungsregeln des Originals. Ihre drei Meter lange Tafel kam 2014 neben dem Teppich in Bayeux zur Ausstellung, berichtet das Smithsonian Magazine. Die Arbeiten der Kinder werden anders bewertet. Es zählt nicht die historische Genauigkeit, sondern das, was ihrer Meinung nach auf eine Schlacht folgen sollte.