Archäologen in Dänemark haben rund 1.300 Jahre alte Stoffreste aus dem Grab einer Frau geborgen. Funde dieser Art überstehen die Zeit fast nie.

Das Grab liegt bei Skonager, einem Fundplatz nahe der alten Marktstadt Varde im Südwesten Jütlands. Ein Team von Arkaeologi Vestjylland fand die Textilien an zwei ovalen Fibeln haftend. Kleidung aus der Wikingerzeit ist im Boden selten. Das Nationalmuseum in Kopenhagen beschreibt den erhaltenen Bestand als überwiegend „kleine Materialstücke, die durch Zufall bewahrt wurden".

Bewahrt hat sie das Metall. Beim Korrodieren gaben die Fibeln Salze an das anliegende Material ab. Diese Salze hielten die Mikroben zurück, die die Fasern sonst zersetzt hätten. Gizmodo weist darauf hin, dass der Boden in Westjütland stark sauer ist. Das macht die Erhaltung noch erstaunlicher. Die Ausgräber nannten sie in einem Beitrag auf Facebook „absolut magisch".

Stoff auf beiden Seiten

Bei den Fibeln handelt es sich um Schalenspangen, dänisch skaalspaender. Wikingerfrauen trugen sie paarweise, um ein Übergewand zu schließen. Stoffspuren sitzen auf der Vorder- und der Rückseite beider Stücke. Ihre Lage könnte zeigen, ob die Fragmente aus verschiedenen Kleidungsschichten stammen und wie diese Gewänder am Körper angeordnet waren.

Statt das Grab im Feld zu zerlegen, hob das Team es als ganzen Erdblock aus. Die Untersuchung läuft nun im Labor. Lise Raeder Knudsen, Spezialistin für alte Textilien, prüft die Webtechnik und ein mögliches Muster. Ulla Mannering und Charlotte Rimstad vom dänischen Nationalmuseum suchen in den Proben nach erhaltenen Farbpigmenten. Diese Arbeit gehört zu ihrem Projekt über die Textilfarben der Wikingerzeit. Anthropologen der Universität Süddänemark untersuchen die Zähne der Frau auf Hinweise zu Alter, Ernährung, Gesundheit und Wanderungen.

Eine der beiden Fibeln wurde einmal repariert. Sie könnte deshalb ein Erbstück sein, älter als der Stoff um sie herum. Grabungen in Skonager hatten 2024 bereits ein Gräberfeld freigelegt, in dem Menschen jeden Alters bestattet waren, mit Beigaben wie Eisenmessern und Glasperlen.

Das Alter der Textilien steht noch nicht fest. Das Archaeology Magazine setzt die Bestattung ins achte Jahrhundert. Damit läge sie vor dem üblichen Beginn der dänischen Wikingerzeit um 800. Eine Radiokarbondatierung der Fragmente steht noch aus.