Zum ersten Mal seit der Einführung der Euro-Scheine im Jahr 2002 wird die Währung vollständig neu gezeichnet – und die Menschen, die sie benutzen, werden gefragt, wie sie aussehen soll. Die Europäische Zentralbank hat zehn Entwürfe in die engere Wahl genommen und eine Online-Umfrage gestartet, die bis zum 21. September läuft und in der alle in Europa ihre Vorliebe angeben können.
Die zehn Vorschläge verteilen sich gleichmäßig auf zwei Themen: „Europäische Kultur" und „Flüsse und Vögel". Ausgedacht wurden sie nicht am Vorstandstisch: Beide gingen aus einer öffentlichen Befragung im Jahr 2023 hervor, an der sich mehr als 365.000 Menschen beteiligten. Ein EU-weiter Gestaltungswettbewerb brachte anschließend über 1.200 Bewerbungen von Grafikerinnen und Grafikern; 25 von ihnen wurden eingeladen, Entwürfe auszuarbeiten. Eine Jury aus 21 Fachleuten – nominiert von den nationalen Zentralbanken des Euroraums und unter anderem aus Grafikdesign, Kommunikation, Neurowissenschaft und Geschichte – wählte daraus zehn aus.
Die Kulturvariante bringt sechs Persönlichkeiten auf die Scheine: die Sopranistin Maria Callas auf den 5-Euro-Schein, Ludwig van Beethoven auf den 10er, Marie Curie auf den 20er, Miguel de Cervantes auf den 50er, Leonardo da Vinci auf den 100er und auf den 200er die österreichische Schriftstellerin Bertha von Suttner, deren Roman „Die Waffen nieder!" von 1889 zur Entstehung des Friedensnobelpreises beitrug, den sie später selbst erhielt. Die Rückseiten zeigen heutige Kulturorte, an denen sich Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft begegnen.
Die Natur-Variante ist stiller und wilder: ein Mauerläufer im Gebirge auf dem 5er, ein Eisvogel an einem Wasserfall auf dem 10er, ein Schwarm Bienenfresser auf dem 20er, ein Weißstorch über einem unverbauten Flusstal auf dem 50er, ein Säbelschnäbler im Watt auf dem 100er und ein Basstölpel über Meereswellen auf dem 200er.
Was nach dem September passiert
Parallel zur öffentlichen Umfrage befragt ein unabhängiges Forschungsinstitut eine repräsentative Stichprobe der Bürgerinnen und Bürger des Euroraums. Der EZB-Rat soll etwa zum Jahresende entscheiden und dabei beide Umfragen zusammen mit dem Votum der Jury und einer technischen Bewertung berücksichtigen. Danach folgen Entwicklung und Tests; in Umlauf kommen die neuen Scheine in den Jahren darauf, neben der bisherigen Serie, die ihren Wert behält.
Es geht dabei nicht nur um Ästhetik: Die neuen Noten sollen leichter prüfbare Sicherheitsmerkmale erhalten, für sehbehinderte Menschen zugänglicher werden und durch haltbarere, nachhaltigere Materialien die Umwelt weniger belasten. „Euro-Banknoten sind mehr als ein Zahlungsmittel", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde bei der Vorstellung.
