Am 12. August 2026 schob sich der Mond über Island und Nordspanien genau vor die Sonne. Es war die erste totale Sonnenfinsternis über dem europäischen Festland seit 1999.
Im schmalen Band der völligen Dunkelheit leben mehr als 15 Millionen Menschen, berichtet das Magazin Smithsonian. Knapp eine Milliarde Menschen lebt in der weit größeren Zone, in der zumindest eine partielle Finsternis zu sehen war. Der Schatten streifte außerdem Nordrussland, Ostgrönland und einen kleinen Zipfel Portugals.
Für Spanien war der Moment noch seltener. Seit 1905 hatte der Mond die Sonne über dem spanischen Festland nicht mehr vollständig verdeckt, berichtete CNN. Auf Mallorca brach Applaus aus, vor der Küste tuteten Boote. In den Fjorden Grönlands wurde die Menge dagegen still. Vögel in Island begannen zu rufen wie in der Dämmerung, eine Beobachtung der Reporterin Amelia Nierenberg von der New York Times, die Smithsonian wiedergibt.
Auch außerhalb der Totalitätszone war der Effekt deutlich. In Berlin waren 85 Prozent der Sonne bedeckt, in Paris 92 Prozent, berichtete CNN. New York kam auf 9 Prozent, Philadelphia auf 7 Prozent. In Großbritannien verschwanden mehr als 90 Prozent, das Maximum der partiellen Finsternis lag kurz nach 19.00 Uhr britischer Zeit. BBC-Wissenschaftskorrespondent Pallab Ghosh verfolgte die Totalität im nordspanischen Burgos und bekam nach eigenen Worten eine Gänsehaut.
Warum Forschende jahrelang auf diese Minuten warten
Die Totalität ist mehr als ein Schauspiel. Sie legt die Korona frei, die dünne äußere Atmosphäre der Sonne, die sonst im eigenen Licht des Sterns untergeht. In den Sekunden davor und danach fällt Sonnenlicht durch Täler der Mondoberfläche und erzeugt die hellen Punkte, die als Perlschnurphänomen bekannt sind.
Möglich macht das ein Zufall, den die NASA kosmisch nennt. Die Sonne steht rund 400-mal weiter von der Erde entfernt als der Mond und ist rund 400-mal größer. Deshalb wirken beide von der Erde aus fast gleich groß, und der Mond kann die Sonne exakt abdecken.
Die nächste Gelegenheit kommt bald. Am 2. August 2027 zieht eine totale Finsternis über Südspanien, Nordafrika, Saudi-Arabien und Jemen, berichtete CNN, die Totalität dauert dann mehr als sechs Minuten. Ryan French, Sonnenphysiker am Laboratory for Atmospheric and Space Physics in Boulder im US-Bundesstaat Colorado, nannte sie die Finsternis, bei der man dabei sein sollte, weil es die längste im Rest unseres Lebens sei. Wer in den zusammenhängenden USA wohnt, muss deutlich länger warten. Die nächste Totalität fällt dort auf den 22. August 2044, über North Dakota und Montana.
