Eine Laservermessung im südwestlichen Amazonasgebiet hat 432 geometrische Erdwerke unter dem Blätterdach kartiert. Nur 36 davon waren zuvor dokumentiert. Im Fachjournal Nature schließen die Autoren daraus, dass die vorkoloniale Gesellschaft, die sie anlegte, ein etwa dreimal größeres Gebiet einnahm als bislang angenommen.

Geleitet wurde die Arbeit von Martti Pärssinen vom Iberoamerikanischen Institut Finnlands, gemeinsam mit finnischen und brasilianischen Kollegen. Das Team überflog nach Angaben des Good News Network 4.497 Quadratkilometer rund um die brasilianischen Städte Rio Branco, Lábrea, Boca do Acre und Carauari in den Bundesstaaten Acre und Amazonas. Lidar schickt Laserpulse durch Lücken im Kronendach und misst ihre Laufzeit. Daraus entsteht eine genaue Karte des Bodens darunter.

Hochgerechnet auf die weitere Region vermuten die Forschenden 24.000 bis 30.000 Erdwerke und verwandte Strukturen. Etwa zwei Drittel davon schreiben sie laut The Art Newspaper jener Kultur zu, die sie Aquiry nennen.

Gräben, Wälle und Straßen

Die Aquiry blühten von etwa 600 vor Christus bis 850 nach Christus auf einer Fläche von rund 183.000 Quadratkilometern im heutigen Brasilien, Bolivien und Peru. Sie hoben tiefe Gräben aus, schütteten hohe Wälle auf und verbanden einzelne Orte durch Straßen. Sie lebten in Langhäusern für mehrere Familien und bauten Mais und Kürbis an. Die Anlagen dienten Zeremonien und politischen Versammlungen, nicht der Verteidigung. Zwischen 850 und 950 nach Christus wurden die Orte aufgegeben. Neue Schätzungen gehen auf dem Höhepunkt zwischen 100 und 300 nach Christus von 1,25 bis 3 Millionen Menschen aus.

Das widerspricht dem alten Bild einer dünn besiedelten Wildnis. Pärssinen sah solche Strukturen erstmals 2002 auf gerodetem Land vor Rio Branco, nachdem ihn der Archäologe Alceu Ranzi nach Acre eingeladen hatte. Die Böden dort galten damals als zu arm für große oder komplexe Gesellschaften. Lidar habe nun einen zweiten solchen Moment gebracht, sagte er The Art Newspaper, weil sich zeige, was unter dem Kronendach liegt.

Die Aquiry prägten auch den Wald selbst. Sie bewirtschafteten und domestizierten nützliche Bäume, darunter den Paranussbaum und Palmen wie die Pfirsichpalme und die Uricuri-Palme, so Pärssinen. Der venezolanische Archäologe José Miguel Pérez-Gómez, der nicht an der Studie beteiligt war, warnte vor der Rede von verlorenen Welten. Die Untersuchung zeige „eine Form von Zivilisation, die westliche Perspektiven nicht erkannt hatten“, sagte er. Zehntausende der vermuteten Strukturen sind noch nicht kartiert.