Menschen jenseits der 110 tragen eine ungewöhnliche Immunausstattung im Blut. Bei ihnen machten zytotoxische CD4-T-Zellen im Median 17,6 Prozent aller T-Zellen aus. Bei den 100- bis 109-Jährigen waren es 9,6 Prozent, bei den 70- bis 99-Jährigen 4,0 Prozent. Ein Team der Universität Osaka um Kosuke Hashimoto hat dafür Blutproben von 28 Erwachsenen ausgewertet. Die Ergebnisse erschienen am 19. August im Fachmagazin Cell Reports.

Sehr alte Menschen gelten in der Alternsforschung als Vorbild für gesundes Altern. Sie erreichen ein extremes Alter und bleiben dabei oft lange von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs verschont. Warum das gelingt, ist offen. Die Abwehr wird im Alter normalerweise schwächer, während Entzündungsprozesse zunehmen.

Die jetzt auffälligen Zellen sind eine Ausnahme in diesem Bild. Gewöhnliche CD4-T-Zellen dirigieren andere Abwehrzellen. Die seltenen zytotoxischen Varianten, kurz CD4 CTLs, greifen zusätzlich selbst an. Sie zerstören infizierte, entartete oder gealterte Körperzellen, berichtet das Wissensmagazin scinexx.

Das Team kombinierte Einzelzell-Sequenzierung mit einer Analyse der T-Zell-Rezeptoren. Der Zuwachs beruht demnach nicht auf vielen verschiedenen Zellen. Stattdessen hatten sich einzelne Klone stark vermehrt. Der jeweils häufigste Klon stellte im Mittel 33,3 Prozent der CD4 CTLs eines Teilnehmers. Bei einer hundertjährigen Person entfielen sogar 53,8 Prozent auf einen einzigen Klon. Solche Vermehrungen entstehen, wenn dasselbe Ziel die Abwehr über lange Zeit fordert.

Treffer aus einer Krebsdatenbank

Die Forscher verglichen die Rezeptorsequenzen mit einer öffentlichen Datenbank. Knapp drei Dutzend Übereinstimmungen stammten von Menschen mit Lungen-, Brust- oder Leberkrebs, berichtet Medical Xpress. Keiner der sehr alten Teilnehmer hatte eine solche Diagnose. „Womöglich tragen diese Zellen dazu bei, Tumore zu erkennen, bevor sie klinisch nachweisbar sind“, sagt Hashimoto laut wissenschaft.de.

Ein Beweis ist das nicht. Die Studie zeigt weder einen Schutz vor Krebs noch einen Beitrag zur Langlebigkeit. Sie erfasste ausschließlich T-Zellen aus dem Blut, nicht aus Geweben. 28 Menschen sind zudem eine kleine Gruppe. Das Alter allein entscheidet ohnehin nicht: Den höchsten Anteil der ganzen Untersuchung hatte ein Teilnehmer unter 100 Jahren.

„Die Alterung des Immunsystems ist nicht einfach nur ein Prozess des Verfalls“, sagt Hashimoto. Die gezielte Vermehrung einzelner T-Zellen spreche dafür, dass sich die Abwehr auch im höchsten Alter noch anpasst. Als Nächstes will das Team prüfen, wie sich diese Zellen in menschlichem Gewebe verhalten.