Astronomen haben ein Objekt beschrieben, das in keine ihrer bisherigen Kategorien passt. Sie nennen es einen Schwarzloch-Stern, und er könnte einen der längsten Streitfälle der Webb-Ära klären.

Das Objekt trägt die Katalogbezeichnung MoM-BH*-1. Ein Team um Rohan Naidu von der University of Hawaii veröffentlichte die Analyse am 12. August 2026 im Fachjournal „Nature“. Sein Licht brach auf, als das Universum 660 Millionen Jahre alt war. Der Urknall liegt rund 13,8 Milliarden Jahre zurück.

Seit das James-Webb-Weltraumteleskop 2022 den Betrieb aufnahm, findet es im jungen Universum kleine, intensiv rote Lichtpunkte. Astronomen nannten sie „little red dots“ und konnten nicht sagen, was sie sind. Bis 2025 zählte das Teleskop 341 davon, berichtet das Magazin „Smithsonian“. „Was genau diese Objekte sind, gehört zu den meistdiskutierten Fragen der JWST-Ära“, sagte Naidu in einer Mitteilung.

Rot bedeutet normalerweise Staub. Ko-Autor Robert Simcoe vom MIT verglich den Effekt mit kanadischem Waldbrandrauch, der den Himmel über Boston rot färbte. Die Daten wiesen in eine andere Richtung. Bei bestimmten Wellenlängen verschwand das Licht des Objekts vollständig, eine Signatur namens Balmer-Sprung. Sie war stärker als bei jedem je vermessenen Stern und deutete auf dichtes Wasserstoffgas statt auf Staub.

Was die Simulationen zeigten

Damit war die Farbe erklärt, nicht aber die Leistung. Das Objekt strahlt rund 100 Milliarden Mal heller als jeder Stern, berichtet CBS News. Kernfusion kann das nicht leisten. „Man kann das nicht mit Kernfusion antreiben, der Energiequelle im Herzen aller Sterne“, sagte Naidu.

Computermodelle führten zu einer einzigen Antwort. Im Zentrum sitzt ein Schwarzes Loch von etwa 100.000 Sonnenmassen. Darum liegt ein Kokon aus heißem Wasserstoff, ungefähr so weit ausgedehnt wie das Sonnensystem. Der Kokon leuchtet wie eine Sternatmosphäre, während das Schwarze Loch die Energie liefert.

Zwei unbeteiligte Forscher stützen diese Lesart. Dominik Schleicher von der Universität Sapienza in Rom und Rodrigo Herrera-Camus von der Universidad de Concepción schrieben einen Kommentar, der zusammen mit der Studie erschien. Die rote Farbe komme vom Gas, schreiben sie, Staub trage kaum etwas bei.

Der Name enthält eine Behauptung. Das Sternchen steht für den Schwarzloch-Stern, die Eins für erwartete Nachfolger. „Jeder little red dot ist mit einem Schwarzloch-Stern vereinbar“, sagte Naidu. MoM-BH*-1 ist besonders, weil er seine eigene Wirtsgalaxie vollständig überstrahlt. Astronomen sehen daher reines Schwarzloch-Stern-Licht.

Diese Behauptung muss sich nun an den Hunderten lichtschwächeren roten Punkten bewähren, die im Webb-Archiv liegen.