Vor 15 Jahren lebte im Naturschutzgebiet Jantho in Aceh an der Nordspitze Sumatras kein einziger Orang-Utan. Heute lebt dort eine kleine wilde Population, und sie bekommt Nachwuchs.
Am 22. Mai 2026 dokumentierten Mitarbeiter die zehnte bestätigte Geburt im Auswilderungsgebiet, berichtet das Umweltmagazin „Mongabay“. Sie beobachteten das Weibchen Bulan, das ein etwa einen Monat altes männliches Jungtier durch die Baumkronen trug. Bulan war Wilderern abgenommen und sieben Jahre zuvor in den Wald zurückgebracht worden. Indonesiens Forstminister Raja Juli Antony gab dem Jungtier den Namen Badar, ein Wort arabischen Ursprungs für Vollmond. Der Name der Mutter bedeutet auf Indonesisch Mond.
„Vom Opfer des illegalen Wildtierhandels zur Mutter in freier Wildbahn: Bulans Weg zeigt den langfristigen Wert von Rehabilitation und Auswilderung“, sagte M. Yakob Ishadamy, Naturschutzleiter der Lestari Ecosystem Foundation, die das Gebiet gemeinsam mit dem Forstministerium betreut.
Indonesien richtete das Auswilderungsgebiet im Reservat 2011 ein. Seither brachte das Sumatran Orangutan Conservation Programme knapp 200 Sumatra-Orang-Utans dorthin. Die meisten stammten aus dem illegalen Wildtierhandel oder aus Gebieten, in denen Rodungen sie in die Nähe von Menschen gedrängt hatten. Der Wald weist eine hohe Dichte an Feigenbäumen auf, der Hauptnahrung der Tiere, und grenzt an das Leuser-Ökosystem, in dem die meisten verbliebenen Sumatra-Orang-Utans leben.
Jahre des Wiedererlernens
Eine Auswilderung gelingt selten einfach. Junge Orang-Utans lernen normalerweise jahrelang von ihren Müttern, welche Früchte bekömmlich sind, wo es in welcher Jahreszeit Nahrung gibt, wie man jede Nacht ein Nest baut und wie man sich durch das Kronendach bewegt. Tiere, die zu früh von der Mutter getrennt wurden, haben nichts davon gelernt, schreibt das Good News Network. Die Rehabilitation dauert Monate oder Jahre. Ausgewildert wird ein Tier erst, wenn es ohne menschliche Hilfe Nahrung sucht, klettert und Nester baut.
Nicht jede Auswilderung funktioniert. Jantho erweist sich als Ausnahme, und die Geburten deuten darauf hin, dass sich das Reservat selbst trägt. Mindestens zehn Jungtiere sind bestätigt, im dichten Wald könnten weitere unentdeckt geblieben sein.
Das Gesamtbild bleibt schwierig. Eine Studie in der September-Ausgabe der Fachzeitschrift „Global Ecology and Conservation“ beziffert den verbliebenen wilden Bestand der Sumatra-Orang-Utans auf 11.694 Tiere. Das sind 19,5 Prozent weniger als 2011. Hauptursache bleibt die Entwaldung. In einigen Gebieten sanken die Zahlen schneller, als der Waldverlust allein erklärt. Die Autoren führen das auf Konflikte mit Menschen und auf die Zerstückelung der Lebensräume zurück.
„Das ist eine Warnung, auf die konkrete Maßnahmen folgen müssen“, sagte Syafrizaldi Jpang, Geschäftsführer der Lestari Ecosystem Foundation. Die neue Population in Jantho wächst nur weiter, solange der Wald um sie herum unangetastet bleibt.
