Lange fürchteten Fachleute, dass Nordamerikas Bisons ihre Beinahe-Ausrottung mit ihrem Erbgut bezahlt haben. Eine Studie in der Fachzeitschrift Science spricht dagegen. Zusammengenommen besitzen die heutigen Herden etwa so viel genetische Vielfalt wie die Tiere, die vor dem 19. Jahrhundert den Kontinent bevölkerten.

Das Team entzifferte die Genome von 115 Bisons aus der Zeit vor dem Zusammenbruch der Bestände, einige davon 20.000 Jahre alt, dazu von 45 Tieren aus den vergangenen hundert Jahren. Seniorautorin ist Beth Shapiro von der University of California in Santa Cruz. „Alte DNA schreibt die Geschichte eines der bekanntesten Naturschutzerfolge Amerikas neu“, sagt sie.

Der Einbruch war drastisch. Millionen Bisons prägten einst die Graslandschaften im Zentrum Nordamerikas und das Leben der indigenen Bevölkerung dort. Bis zum frühen 20. Jahrhundert blieben durch Jagd, Lebensraumverlust und eine staatlich betriebene Ausrottungskampagne nur wenige Hundert übrig. Heute leben laut dem Anthropocene Magazine mehr als 20.000 Tiere wild, vor allem in Schutzgebieten wie dem Yellowstone-Nationalpark. Rund 400.000 weitere werden kommerziell gehalten.

Verändert hat sich den Genomen zufolge nicht der Umfang der Vielfalt, sondern ihre Verteilung. Frühere Präriebisons glichen sich genetisch, unabhängig vom Fundort. Das spricht für einen regen Austausch über weite Strecken. Die heutigen wilden Herden sitzen dagegen in getrennten Landschaftsinseln. Mindestens vier von ihnen tragen inzwischen eine eigene genetische Signatur. Auseinander getrieben hat sie laut Discover Wildlife die Isolation, nicht der Einbruch selbst.

Das Argument für eine einzige Herde

Die Autoren plädieren deshalb dafür, die verbliebenen Tiere als eine Population zu bewirtschaften. Wo Zäune und Entfernungen das verhindern, könnten Fortpflanzungsmethoden wie die künstliche Besamung Gene zwischen den Herden bewegen. In der Rinderzucht ist das längst üblich.

Eine zweite Sorge fiel kleiner aus als erwartet. Etwa ein Drittel der heutigen Genome trägt Spuren von Rindern, ein Erbe der Kreuzungsversuche des 20. Jahrhunderts. Wo diese Spuren auftauchen, machen sie weniger als zwei Prozent des Genoms aus.

Verwickelter liegt der Fall bei den Waldbisons. Sie trennten sich vor etwa 3.000 Jahren von den Präriebisons. In den 1920er Jahren brachte Kanada rund 7.000 Präriebisons in den Wood-Buffalo-Nationalpark, damals Heimat der letzten 1.500 Waldbisons. Jede heutige Waldbison-Herde trägt nun Prärie-Anteile, zwischen 7 und 64 Prozent. „Wald- und Präriebisons sind deutlich verschieden und sollten weiterhin getrennt bewirtschaftet werden“, sagt Greg Wilson, Bison-Ökologe bei Parks Canada. Welche Tiere sich fortpflanzen und wohin sie umgesiedelt werden, soll die neue genetische Karte künftig lenken.