Eine Kamerafalle auf der japanischen Insel Ishigaki hat ein altes Rätsel der Pflanzenökologie gelöst. Nicht Ameisen tragen die Samen der parasitischen Pflanze Balanophora fungosa fort, sondern Landeinsiedlerkrebse. Der Botaniker Suetsugu Kenji von der Universität Kobe beschreibt den Befund im Fachjournal Ecology.

Die Pflanze sieht aus wie ein kleiner Pilz am Waldboden. Sie besitzt kein Chlorophyll und ernährt sich von den Wurzeln benachbarter Bäume, berichtet Mongabay. Jedes Exemplar bildet bis zu eine Million winziger Samen, jeder von einer trockenen Frucht umhüllt. Wie diese Samen weiterkommen, war unbekannt. „Viele nahmen an, dass sie einfach durch die Schwerkraft herabfallen und vom Wind fortgetragen werden. Der feuchte und windstille Waldboden macht das aber eher unwahrscheinlich“, sagte Suetsugu in einer Mitteilung der Universität Kobe.

Zunächst verdächtigte er Ameisen. Die Früchte sind unscheinbar gefärbt, leicht ablösbar und riechen nach Hefe. Er deckte deshalb einige Pflanzen mit Netzen ab, die Ameisen durchlassen, größere Tiere aber abhalten. Die Früchte blieben unberührt.

Danach stellte Suetsugu eine wasserdichte Kamera etwa 20 Zentimeter vor die Pflanzen. Sie löste alle 50 Sekunden aus und sammelte in knapp 89 Stunden 6427 Bilder, schreibt Mongabay. Darauf sammelten sich nach Einbruch der Dunkelheit Landeinsiedlerkrebse der Art Coenobita brevimanus und Australische Schaben an den Früchten.

Samen, die den Darm überstehen

Die Krebse bewegen die Samen auf zwei Wegen. Im Mittel hafteten 86 Früchte außen an ihren Scheren. Zusätzlich fraßen sie Früchte und schieden unversehrte, keimfähige Samen wieder aus. Die Tiere legen bis zu 100 Meter zurück, berichtet Popular Science. Damit gelangen die Samen weit von der Mutterpflanze fort. Die Schaben schieden deutlich weniger intakte Samen aus.

„Diese Studie liefert den ersten empirischen Beleg dafür, dass Einsiedlerkrebse sowohl als äußere wie auch als innere Samenverbreiter wirken können“, schreibt Suetsugu in seiner Arbeit.

Die Krebse tauchten nur bei reifen Pflanzen auf. Der gärige Geruch reifer Früchte dürfte sie anlocken. Die Forschung zur Samenverbreitung konzentriere sich auf Vögel und Säugetiere, sagte Suetsugu gegenüber Mongabay. Dadurch blieben Wechselwirkungen am schattigen Waldboden leicht unbemerkt.

Ob das Muster auch anderswo gilt, ist ungeprüft. Suetsugu verweist darauf, dass Landeinsiedlerkrebse in Küstenwäldern häufig sind und fast alles fressen, was sie erreichen. Er erwartet deshalb eine allgemeinere Rolle, belegen kann das eine Studie auf einer einzigen Insel jedoch nicht. Finanziert wurde die Arbeit von der japanischen Wissenschafts- und Technologieagentur JST.