Amtrak ersetzt Wagen, die teils aus den 1970er Jahren stammen. Acht neue Airo-Zuggarnituren gehen im Herbst 2026 auf der Strecke Cascades in Betrieb. Sie sind die ersten Einheiten einer Bestellung von 83 Garnituren bei Siemens Mobility. Das Umweltmagazin Grist beziffert die Investition auf acht Milliarden Dollar. Mehr als ein Dutzend weitere Strecken in Neuengland, Pennsylvania und im Mittelatlantik sollen folgen.
Die Cascades-Strecke führt über rund 740 Kilometer von Eugene in Oregon nach Vancouver in British Columbia. Jede Airo-Garnitur bietet 317 Sitzplätze in sechs Wagen. Das sind 40 Prozent mehr als in den bisher eingesetzten Zügen vom Typ Talgo Serie 8, berichtet das Seattler Portal The Urbanist. Die erste Garnitur erreichte Seattles King Street Station am 16. Mai 2026 zu Tests und Personalschulungen.
Der Gewinn liegt nicht im Tempo. Amtrak nennt eine Höchstgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern, kaum mehr als beim Talgo, berichtet das Fachportal Railway Supply. Auf der Strecke selbst fahren die Züge selten schneller als 127 Stundenkilometer. Amtrak führt das auf Streckenbeschränkungen und den Güterverkehr zurück. Von Seattle nach Portland dauert die Fahrt etwa dreieinhalb Stunden, ungefähr so lange wie mit dem Auto.
Sauberere Motoren, kein Lokwechsel
Der ökologische Nutzen steckt in der Technik. Die Airo-Lokomotiven erfüllen den Standard Tier 4 der US-Umweltbehörde EPA, die strengsten amerikanischen Vorgaben für Lokmotoren. Das senkt den Ausstoß von Feinstaub und Stickoxiden. Die Garnituren verbinden Diesel- und Elektroantrieb und wechseln zwischen beiden ohne Lokwechsel.
Das zählt südlich von Washington. Reisende zwischen Virginia und dem Nordosten warten in der Union Station bis zu eine Stunde, bis die Lok getauscht ist. Auf der Strecke Northeast Regional übernehmen die Airo-Züge 2027. Virginia hat sechs Milliarden Dollar in sein eigenes Bahnprogramm gesteckt.
„Es ist ein Gewinn für die Umwelt, und es ist ein Gewinn für die Menschen, die im Stau stehen“, sagte Karina Romero, Sprecherin der Virginia Passenger Rail Authority, dem Magazin Grist.
Die Bahn befördert weltweit acht Prozent aller Passagiere und verbraucht dafür zwei Prozent der Verkehrsenergie. Alex Scott, Professor für Lieferkettenmanagement an der University of Tennessee-Knoxville, sagte Grist, ein gut ausgelasteter Waggon schlage einzelne Autos, auch elektrische. Offen bleibt die Taktdichte. Charlie Hamilton von der Initiative All Aboard Washington wünscht sich stündliche Abfahrten, die mit den neuen Garnituren möglich würden.
