Pompeji hat Tausende Wandmalereien geliefert, aber kaum zwanzig Deckenfresken. Die Decken dort bestanden aus Holz, ausgekleidet mit Schilf und verputzt; das Organische verrottete, und was blieb, kam als Schutt herunter. Deshalb zählt das Gewölbe, das der Archäologische Park vergangene Woche vorgestellt hat, ebenso sehr für die Art seiner Rekonstruktion wie für das, was es zeigt.
Die Decke überspannte einst einen Bankettsaal im Obergeschoss eines Hauses mit angeschlossener Bäckerei in der Regio IX. Seit 2023 sammeln Archäologen die Putzfragmente, die beim Einsturz des Gebäudes während des Vesuvausbruchs im Jahr 79 nach Christus zu Boden gingen. Statt die Stücke flach auszulegen, bauten die Restauratoren eine gekrümmte Trägerkonstruktion, die die ursprüngliche Form des Gewölbes nachbildet, und setzten die Fragmente dreidimensional darauf. Rund tausend Teile sitzen inzwischen; sie decken mehr als ein Viertel der Decke ab. Die Konstruktion ist bewusst offen angelegt: Weitere Fragmente können ergänzt werden, sobald sie geborgen und konserviert sind.
Dionysos, Ariadne und ein Bäckerei-Gefängnis
Das Motiv zu bestimmen, dauerte. Schließlich stand fest, dass die Komposition Dionysos, den Gott des Weines und des Rausches, und Ariadne zeigt — jene kretische Königstochter, die Theseus aus dem Labyrinth half — in einer der bekanntesten Verbindungen der griechischen Mythologie. Dionysos lagert auf einem Wagen und wendet sich Ariadne zu, die ein Saiteninstrument spielt, begleitet von einem Eroten mit Kithara; gezogen wird der Wagen von zwei musizierenden Kentauren, einer Bildsprache, die auf die dionysische Prozession verweist.
Präsentiert wurde das Gewölbe an einem Donnerstagabend zum Abschluss eines internationalen Workshops über neue Funde und Restaurierungsarbeiten in der Ausgrabungsstätte. „Italien ist weltweit führend in der archäologischen Restaurierung, und Pompeji spielt mit seinem Restauratorenteam eine zentrale Rolle dabei", sagte Gabriel Zuchtriegel, der Direktor des Parks, der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. „Deshalb freuen wir uns, die Ergebnisse unserer Konservierungsprojekte mit der Welt zu teilen, denn sie eröffnen auch Möglichkeiten für Forschung und Austausch."
Die Arbeit fügt sich in das Jahresprogramm 2026 des Parks, das um Dionysos kreist und auch das Haus des Thiasos im selben Viertel umfasst, wo unlängst ein großformatiges Fresko mit einer dem Gott gewidmeten Prozession freigelegt wurde. Der Ort hat seine eigene Zwiespältigkeit: Das Gebäude wurde zuvor als Bäckerei-Gefängnis identifiziert, in dem versklavte Menschen unter beengten Bedingungen gemeinsam mit Eseln Getreide gemahlen haben dürften. Der Bankettsaal mit seiner mythologischen Decke lag unmittelbar darüber — eine Erinnerung daran, dass römischer Luxus und römischer Zwang häufig unter derselben Adresse wohnten.