Bei Wald- und Flächenbränden entscheidet selten die Zahl der Einsatzkräfte über den Verlauf, sondern eine banale Frage: Wie kommt Wasser dorthin, wo kein Hydrant steht? „Die Löschwasserversorgung, gerade im Wald, ist unsere Achillesferse", sagt Dietmar Seefeldt, Landrat im Kreis Südliche Weinstraße. Eine Antwort darauf parkt längst in Tausenden Maschinenhallen — sie musste nur auffindbar werden.

Genau das leistet das Onlineportal Red Farmer. Landwirte und Winzer hinterlegen dort ihre Kontaktdaten und das Gerät, das sie im Ernstfall bereitstellen würden: Güllefässer und Wasserwagen für den Transport von Löschwasser, Scheibeneggen und Grubber, um Brandschneisen anzulegen, Radlader zum Räumen. Feuerwehren und Leitstellen erhalten einen Zugang und sehen auf einen Blick, wer in der Nähe was anbieten kann. Registriert sind nach Angaben der Initiative bundesweit rund 500 land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit knapp 1.000 Maschinen.

Welchen Unterschied das macht, zeigt der Südpfälzer Landwirt Mathias Lichti: In sein Güllefass passen 18.000 Liter — ein Vielfaches dessen, was ein einzelnes Löschfahrzeug an die Einsatzstelle bringt.

Aus einer Woche Improvisation wurde ein bundesweites Netz

Angestoßen wurde die Initiative 2022 in der Südpfalz, angelehnt an eine Idee aus dem Kreisfeuerwehrverband Main-Spessart und binnen einer Woche aus der akuten Gefahrenlage heraus organisiert. Getragen wird sie vom Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz sowie den Bauern- und Winzerverbänden Rheinland-Nassau und Rheinland-Pfalz Süd. Inzwischen werben auch der Landesfeuerwehrverband Bayern und der Bayerische Bauernverband bei ihren Mitgliedern für das Portal, das dort als Übersicht „organisierter Spontanhelfer" beschrieben wird. Betriebe in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben sich ebenfalls angeschlossen.

Die rechtlichen Fragen, an denen solche Hilfe sonst scheitert, sind geklärt. In Rheinland-Pfalz sind Helfer, die eine Einsatzleitung anfordert, nach dem Landesbrandschutzgesetz über die Gemeindeunfallversicherung abgesichert; in Bayern kann die Einsatzleitung Personen für bis zu drei Tage heranziehen, versichert bei der Kommunalen Unfallversicherung Bayern. Fahrzeuge, Geräte und Arbeitszeit werden nach den Sätzen des nächstgelegenen Maschinen- und Betriebshilfsrings abgerechnet.

Verpflichtend ist dabei nichts. Wer mitten in der Ernte steht oder das Fass gerade selbst braucht, lehnt die Anfrage ab — die Freiwilligkeit gilt in beide Richtungen und ist der Grund, warum sich Betriebe überhaupt eintragen.

Der Nutzen wächst mit dem Risiko. Heiße, trockene Sommer bescheren den Feuerwehren immer mehr Vegetationsbrände, und ausgerechnet dort, wo sie ausbrechen, endet das Hydrantennetz. „Aufgrund der aktuellen Gefahrenlage von Wald- und Vegetationsbränden sind die Feuerwehren auf die Mithilfe der Landwirte angewiesen", sagt Frank Hachemer, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz. Das Bemerkenswerte an Red Farmer ist, dass diese Verstärkung keine neue Wache und keinen neuen Fuhrpark braucht — nur ein Verzeichnis dessen, was ohnehin schon vor Ort steht.