Die Komoren haben zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Stätte auf der Welterbeliste der UNESCO. Das Welterbekomitee, das seit dem 19. Juli im südkoreanischen Busan tagt, nahm am Samstag sechs historische Städte des Inselstaats im Indischen Ozean auf – bewohnte Medinas aus Palästen, Moscheen, Plätzen und engen Gassen, deren älteste Teile nach den Nominierungsunterlagen bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.
Vier der Altstädte liegen auf der Hauptinsel Grande Comore, zwei auf Anjouan. Ihre Anfänge datiert die UNESCO auf mindestens das 11. Jahrhundert; im 14. und 15. Jahrhundert wuchsen sie zu Stadtstaaten und später zu den Zentren der Sultanate des Archipels heran. Das Land, rund 300 Kilometer vor der ostafrikanischen Küste gelegen und heute Heimat von etwa 870.000 Menschen, war jahrhundertelang ein Knotenpunkt des Seehandels zwischen Ostafrika, dem Nahen Osten und Madagaskar. Genau diesen Austausch – Handel wie Migration – sieht die UNESCO in Grundriss und Bauweise der Städte eingeschrieben.
Zu den bekanntesten zählt die Medina der Hauptstadt Moroni aus dem 14. Jahrhundert mit ihrer Freitagsmoschee und dem grünen Minarett gegenüber dem Dhau-Hafen. Das nahe gelegene Itsandra gilt als eine Wiege der Swahili-Kultur; im südlicher gelegenen Iconi liegt das Grab von Prinz Said Ibrahim, dem Sohn des letzten Sultans von Grande Comore.
Anerkennung mit Auftrag
Für die Komoren ist die Entscheidung mehr als ein Titel. Viele der alten Bauten sind in schlechtem Zustand, die ältesten Strukturen stuft die UNESCO als hochgradig gefährdet ein, und aus dem Land selbst kommt Kritik an ungesteuerter Verstädterung. „Diese Aufnahme ist keine Ziellinie, sondern ein Startpunkt", sagte Kulturminister Said Mohamed Ali Said in Busan der Nachrichtenagentur AFP und sprach von immensem Nationalstolz. Die Listung verpflichte, öffne aber auch Türen – für Denkmalpflege ebenso wie für einen behutsamen Kulturtourismus. Museumsorte seien die Medinas gerade nicht: Dort werde weiterhin gebetet, gehandelt und gefeiert.
Die Komoren waren nicht das einzige Land, das an diesem Wochenende dazugewann. Ebenfalls neu auf der Liste stehen das Sumpfgebiet Okefenokee im US-Bundesstaat Georgia – eines der größten Süßwasser-Ökosysteme der Welt, dessen Torfschichten 5000 Jahre Umweltgeschichte konservieren, und das erste US-Wildschutzgebiet mit Welterbestatus –, das Meeresschutzgebiet von Aqaba in Jordanien, die Steilküsten am dänischen Limfjord mit bis zu 56 Millionen Jahre alten Fossilien sowie ein buddhistischer Tempel aus dem 13. Jahrhundert in Südthailand. Weltweit umfasst die Liste inzwischen mehr als 1250 Stätten in 171 Ländern.