Ein Forstversuch, den Australien 1987 anlegte und danach vergaß, liefert ein Ergebnis, mit dem niemand gerechnet hatte. Drei Jahrzehnte nachdem auf Flächen mit Riesen-Eukalyptus in Victoria die Hälfte bis zwei Drittel der Bäume gefällt worden waren, speichern diese Bestände so viel Kohlenstoff wie benachbarter, nie genutzter Wald. Die stehen gebliebenen Bäume wurden 20 Prozent dicker als die Bäume in den unberührten Vergleichsflächen.
Das Ergebnis durchkreuzt einen langen australischen Streit. Naturschützer sagen, der Kahlschlag, bei dem alle Bäume eines Blocks fallen, zerstöre den Lebensraum seltener Arten. Förster halten dagegen, der Riesen-Eukalyptus sei an die schweren Buschfeuer angepasst, die ganze Bestände niederlegen, und der Kahlschlag bilde diese Feuer nach. Die Art wird mehr als 90 Meter hoch und kann über 400 Jahre alt werden. Die starke Durchforstung liegt zwischen beiden Positionen, ihre Langzeitwirkung war nie gemessen worden.
Die Regierung von Victoria finanzierte das Silvicultural Systems Project Mitte der 1980er Jahre mit heute umgerechnet rund 26 Millionen australischen Dollar. Zwischen 1987 und 1989 legten Forschende Versuchsflächen in Tanjil Bren in den Central Highlands und in Cabbage Tree Creek in East Gippsland an. Verglichen wurden breite Kahlschläge von 250 bis 350 Metern, kleine Schläge von 50 bis 140 Metern, eine starke Durchforstung mit 50 bis 70 Prozent Entnahme sowie ungenutzte Vergleichsflächen. Anfang der 2000er Jahre wuchs der junge Eukalyptus auf den großen Kahlschlägen am besten nach. Die Ergebnisse wurden veröffentlicht, der Zufahrtsweg wuchs zu, das Projekt wurde aufgegeben.
Was die Bäume danach taten
Ein Team der University of Melbourne kehrte 2014 mit Studierenden nach Tanjil Bren zurück. Auf den durchforsteten Flächen maßen die verbliebenen, damals rund 80 Jahre alten Bäume im Mittel deutlich über einen Meter Durchmesser in Brusthöhe, einzelne mehr als 1,5 Meter. Innerhalb von 30 Jahren hatten diese Bestände den bei der Ernte entnommenen Kohlenstoff vollständig zurückgewonnen und dazu so viel zugelegt wie die unberührten Vergleichsflächen. Kamerafallen erfassten Leadbeaters Beutelsäuger in jeder beernteten Versuchsfläche und in keiner der ungenutzten Flächen, schreiben die Forschenden in The Conversation. Dickere Bäume überstehen zudem Feuer besser und bilden eher die Höhlen, in denen Beutelsäuger und Riesengleitbeutler nisten. Laut Yale Environment 360 erschienen die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Forest Science.
Die Autoren sind vorsichtig mit der Reichweite ihres Befunds. Durchforstung lasse sich nicht überall anwenden und solle es auch nicht, schreiben sie, und keine Methode passe auf jeden Wald: "Es gibt kein waldbauliches Allheilmittel." Ihr weiter gehender Punkt betrifft die Datenlage selbst. In Australiens Wäldern liegen viele aufgegebene Langzeitversuche, deren Flächen nach dem Ende der Förderung weiterwachsen. Ihre Antworten bleiben verloren, solange niemand zurückgeht und nachmisst.
