Am 1. August 2026 um 9.13 Uhr öffneten sich in Köln zwei schwere Doppeltüren. Dahinter standen sechs Menschen, die 100 Tage ohne Tageslicht und ohne persönlichen Kontakt zu Familie und Freunden verbracht hatten.

Die Studie SOLIS100 soll zeigen, was lange Isolation mit Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden macht. Auftraggeber ist die Europäische Weltraumorganisation ESA, ausgeführt hat sie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Antworten sollen Crews auf Flüge zum Mond und zum Mars vorbereiten, wo Hilfe im Notfall nicht schnell zur Stelle ist.

Die Mannschaft bestand aus drei Frauen und drei Männern zwischen 26 und 32 Jahren. Sie kamen aus Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen und Portugal, berichtet die Deutsche Welle. In der Anlage :envihab lebten sie auf engem Raum und mit begrenzten Vorräten. Zum Tagesablauf gehörten Experimente, medizinische Messungen, ein striktes Sportprogramm und die Wartung der Station. Mit dem Kontrollzentrum sprachen sie meist über eine Sprechanlage.

Nach dem Öffnen der Türen führte der erste Weg auf eine Wiese in die Sonne, teilte das DLR mit. Zur Begrüßung gab es frisches Obst, Croissants und Kaffee.

Was die Crew selbst mitnimmt

Ihre erste Bilanz notierten die Teilnehmenden sofort. Entscheidend für den Erfolg sei ein Team, das zusammenhält, sich ergänzt und tolerant bleibt. Offene und transparente Kommunikation habe geholfen, ebenso die Mischung aus Struktur, Disziplin und Spaß. Der Kontakt zu Familie und Freunden habe ein Gefühl von Verbundenheit gegeben.

Auch die Woche nach dem Ausstieg gehörte zur Untersuchung. Die Crew blieb zusammen, durfte aber Besuch empfangen, frei essen und wieder private Geräte nutzen. Seit dem 7. August sind die sechs zurück im Alltag. Mit Vorbereitung und Nachuntersuchung umfasste das Projekt 126 Tage.

Jetzt beginnt die Auswertung durch 23 beteiligte Forschungsteams. Projektleiterin Amelie Therre sagt laut Deutscher Welle, die Studie diene der Standardisierung von Daten. Erst dadurch würden Unterstützungsmaßnahmen für künftige Crews vergleichbar. Anke Pagels-Kerp, Bereichsvorständin Raumfahrt beim DLR, nennt solche Studien unverzichtbar für die Vorbereitung auf die seelischen und körperlichen Belastungen langer Missionen. Belastbare Aussagen gibt es erst, wenn die Daten aus allen Phasen ausgewertet sind, also von vor, während und nach der Isolation.