Autofahrer auf der Olympic-Halbinsel im US-Bundesstaat Washington kollidieren dort, wo Pumas häufig unterwegs sind, zu 67 Prozent seltener mit einem Reh. Diese Zahl stammt aus einer Studie im Fachjournal "Current Biology", die die Bewegungen der Raubkatzen mit fünf Jahren Unfalldaten zusammenführte.
Der Befund dreht eine vertraute Angst um. In der öffentlichen Debatte über das Leben in der Nähe von Pumas geht es fast nur um die Gefahr, die von ihnen ausgeht. Auf dieser Halbinsel sind die Hirsche das größere Risiko für Autofahrer, und die Katzen senken es.
Die Datengrundlage entstand über Jahre. Wildkameras an mehr als 500 Standorten erfassten die Hirsche, GPS-Halsbänder an 59 Pumas die Raubtiere. Ein großer Teil dieser Überwachung wuchs aus langjähriger Arbeit der indigenen Nationen der Halbinsel. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Lower Elwha Klallam, Skokomish, Quinault, Makah und Port Gamble S'Klallam waren an der Studie beteiligt.
Das Team verglich diese Daten mit knapp 1000 Unfällen zwischen Fahrzeugen und Wildtieren, die zwischen 2020 und 2025 auf der Halbinsel erfasst wurden. Diese Unfälle verursachten mehr als 80 Verletzte und zwei Todesfälle sowie Kosten von 14,7 Millionen Dollar für Reparaturen und medizinische Versorgung.
Zunächst ergab die Verteilung der Unfälle keinen Sinn
Weder die Dichte der Hirsche noch der Grad der Bebauung und des Verkehrs erklärten das Muster der Zusammenstöße. Erst mit den Halsbanddaten fügte sich das Bild. Ein Modell der Wechselwirkungen zwischen Katzen, Beute und Autofahrern beziffert den Rückgang der erwarteten Unfälle über fünf Jahre auf 76 Prozent in Gebieten mit starker Puma-Aktivität.
Der Mechanismus liegt im Verhalten, nicht in der Zahl der Tiere. Wo Pumas jagen, sterben die Hirsche nicht einfach aus. Sie bewegen sich anders.
"Hirsche verändern ihre Nutzung von Raum und Zeit, wo Pumas vorkommen. Sie halten sich seltener in der Nähe von Straßen auf und sind nachts weniger aktiv, wenn einige der gefährlichsten Zusammenstöße passieren", sagte Erstautor Justin Suraci, Ökologe bei Conservation Science Partners im kalifornischen Truckee.
Das Muster erinnert an den bekanntesten Fall eines Raubtiers, das eine Landschaft umformt: die Wölfe, die im Yellowstone das Verhalten der Wapitis änderten und die Vegetation zurückkehren ließen. Hier führt die Kette über ein Element, mit dem kein Ökosystem sich entwickelt hat, das Auto.
"Neben großen Raubtieren zu leben bedeutet nicht nur, Wildtiere zu schützen. Es bedeutet, die vielen Wege zu schützen, auf denen sie uns täglich unbemerkt nützen", sagte Mark Elbroch, der bei der Naturschutzorganisation Panthera die Pumaforschung leitet und an der Studie mitwirkte.
Das Ergebnis beruht auf einer einzigen Halbinsel und auf einem statistischen Modell, nicht auf einem Experiment. Die Zeitschrift "Nature" nennt den Puma in ihrer Besprechung einen indirekten Freund, nicht eine belegte Maßnahme der Verkehrssicherheit. Geliefert wird aber eine Zahl, die in eine Debatte eintreten kann, die bisher meist ohne Zahlen geführt wird: dort, wo Abschussquoten für Pumas festgelegt werden.
