Der Bau der nach Angaben des Entwicklers größten Solaranlage auf einem aktiven Kohlebergbaugelände Nordamerikas hat begonnen. Die Energie-Investmentfirma Panamint Capital startete Ende Juli 2026 die Arbeiten an Big Rooter Power, einem 1,7 Milliarden Dollar teuren Projekt im texanischen Robertson County, etwa auf halbem Weg zwischen Dallas und Houston.

Der Ort zählt hier so viel wie die Größe. Big Rooter entsteht bei Twin Oaks, einem laufenden Kraftwerk mit dem benachbarten Tagebau Calvert. Panamint kaufte beides im Jahr 2023. Auf Industrieflächen zu bauen bedeutet, dass Netzanschluss, Straßen und ein großer Teil der Genehmigungen bereits vorhanden sind. Es umgeht außerdem den Streit um Ackerland, der Solarprojekte im ländlichen Amerika bremst.

Mit 1,2 Gigawatt gehört die Anlage zu den größten der USA. Die erste Ausbaustufe Big Rooter West umfasst 491 Megawatt und soll im August 2028 ans Netz gehen. Die Arbeiten an den übrigen 658 Megawatt beginnen im Dezember 2026, Strom wird dort im August 2029 erwartet. Auf dem 10.000 Acre großen Gelände entstehen zudem 1,6 Gigawattstunden Batteriespeicher, mehr als 20 Meilen neue 345-Kilovolt-Leitungen und 790 Megawatt Kapazität für Rechenzentren.

Die Kohle bleibt am Standort

Es handelt sich nicht um einen Umstieg von Kohle auf Sonne. Das 310 Megawatt starke Braunkohlekraftwerk in Twin Oaks läuft weiter, ein Abschalttermin ist nicht angekündigt, wie Electrek berichtet. Nach Fertigstellung der Solaranlage stehen auf dem Gelände rund 1,5 Gigawatt Kohle- und Solarleistung nebeneinander. Auch der Tagebau bleibt in Betrieb, berichtet Grist.

"Wir glauben, dass der Bau neuer Kapazität an bestehenden Energiestandorten der klarste Weg ist, um Gemeinden, Stromkunden und der Umwelt gleichermaßen zu nutzen", sagte Apolka Totth, Vorstandschefin von Panamint.

Das Projekt ist auch ein lokaler Arbeitgeber. Es schafft mehr als 800 Stellen im Bau, und Panamint rechnet allein für die erste Ausbaustufe mit mehr als 66 Millionen Dollar für die regionale Wirtschaft über die Laufzeit, wie der Sender KBTX berichtet. First Solar liefert rund zwei Millionen Module aus seinen Werken in Ohio, Louisiana und Alabama. SOLV Energy errichtet die Anlage, das Umspannwerk und die Leitungen.

Texas erzeugt laut Grist in diesem Jahr voraussichtlich mehr Strom aus Sonne als aus Kohle, getrieben von Rechenzentren, Fabriken und Klimaanlagen. Panamint hat nach eigenen Angaben einen langfristigen Stromliefervertrag bis in die 2050er Jahre geschlossen, nennt den Käufer aber nicht. Damit bleibt die zentrale Frage offen: Wie viel von diesem Strom erreicht das öffentliche Netz, und wie viel geht an die Rechenzentren, die auf demselben Gelände geplant sind.