Als die Fundación Rewilding Argentina 2007 begann, Große Ameisenbären in den Iberá-Feuchtgebieten auszuwildern, war die Art in der argentinischen Provinz Corrientes seit Jahrzehnten verschwunden – ausgerottet durch Jagd, Feuer und die Zerstörung ihres Lebensraums. Fachleute hielten eine Rückkehr damals für unrealistisch. Neunzehn Jahre später leben rund 200 Tiere frei in Iberá, und die Population breitet sich weiter aus.

Das Projekt, gemeinsam mit Tompkins Conservation entwickelt und in Zusammenarbeit mit der Provinzregierung von Corrientes betrieben, war weltweit der erste Versuch, den Großen Ameisenbären in eine Landschaft zurückzubringen, aus der er verschwunden war. Weil es keine Vorlage gab, musste das Team wissenschaftliche Protokolle für die Großfauna der Region von Grund auf entwickeln.

Die Methode war unspektakulär und langsam: retten, aufpäppeln, freilassen. Rund 110 Tiere – viele verwaist oder aufgegriffen, nachdem sie menschlichen Siedlungen zu nahe gekommen waren, manche aus weit entfernten Provinzen wie Chaco, Formosa, Salta, Jujuy und Santiago del Estero – wurden rehabilitiert und in Corrientes ausgewildert. Zur Population wurde daraus erst durch das, was folgte: Inzwischen sind mehrere Generationen vollständig in Freiheit geboren und aufgewachsen, und diese wildgeborenen Tiere stellen heute den Großteil des Bestands.

Die Population hat eine Grenze überquert

Der deutlichste Beleg für den Erfolg kam von außerhalb Argentiniens. Im August 2023 sichtete der Ökologe Fábio Mazim vom Instituto Pró-Carnívoros beim Durchsehen von Kamerafallen-Aufnahmen aus dem Espinilho State Park in Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens einen Großen Ameisenbären – eine Art, die dort zuletzt 1890 lebend beobachtet worden war. Eigentlich hatte er auf eine Pampaskatze gehofft.

"Wir haben geschrien und geweint, als wir es sahen", sagte Mazim gegenüber Mongabay. "Es hat ein paar Tage gedauert, die Bedeutung dieses Nachweises zu begreifen." Seither gab es elf Sichtungen; ob es sich um ein Tier oder mehrere handelt, ist unklar, der Schluss bleibt derselbe. Die Tiere sind mit hoher Wahrscheinlichkeit von Iberá über die Grenze gewandert – eine ausgewilderte Population ist also dicht genug geworden, um Tiere in ein Land abzugeben, in dem die Art als verschwunden galt.

Der ökologische Nutzen ist konkret. Große Ameisenbären fressen täglich Tausende Ameisen und Termiten und halten so Insektenbestände davon ab, zur Plage zu werden; ihr Graben formt zudem den Boden. Rewilding Argentina nutzt die Iberá-Methodik inzwischen als Vorlage, um weitere fehlende Pflanzenfresser und Beutegreifer zurückzubringen – ein Beleg dafür, dass sich ein lokal ausgestorbenes Großsäugetier zurückholen lässt, wenn jemand bereit ist, zwei Jahrzehnte dafür aufzuwenden.