Ein günstiges Spray auf den Blättern hat den Schaden weitgehend aufgehoben, den salziger Boden Tomatenpflanzen zufügt. Unter der stärksten Salzbelastung im Gewächshaus bildeten behandelte Pflanzen doppelt so viel Sprossmasse wie unbehandelte, ihre Wurzeln wogen mehr als 55 Prozent mehr. Die Arbeit erschien im International Journal of Phytoremediation.
Salz ist ein langsamer Notfall der Landwirtschaft. Es betrifft weltweit mehr als 8,3 Millionen Quadratkilometer Land, eine Fläche etwa so groß wie Australien, und bedroht 20 bis 30 Prozent der bewässerten Ackerflächen, vor allem in trockenen Regionen. Das berichtet das Forschungsteam. Salziger Boden hindert die Wurzeln daran, Wasser aufzunehmen, und bremst die Fotosynthese. In hoher Konzentration vergiftet er die Pflanze.
Die Behandlung besteht aus zwei Zutaten. Die eine sind Manganoxid-Nanopartikel, winzige Teilchen eines Nährstoffs, den Pflanzen ohnehin brauchen. Die andere ist Chitosan, ein natürliches Polymer aus Krebstierschalen, das in großen Mengen als Abfall der Fischerei anfällt. Die Mischung kommt auf die Blätter statt in den Boden. Das hält Dosis und Kosten niedrig.
"Das Spannende an diesem Ansatz ist, dass er günstig, nachhaltig und schon in sehr kleinen Dosen wirksam ist", sagte Hamidreza Sharifan, korrespondierender Autor der Studie und Assistenzprofessor für Chemie an der University of Texas at El Paso. "Wir geben den Pflanzen die Mittel, sich selbst zu schützen, statt das Salz frontal zu bekämpfen."
Die gemessenen Effekte gingen über die Masse hinaus. Carotinoide, Farbstoffe für die Lichtaufnahme, nahmen um rund 91 Prozent zu. Die Aktivität antioxidativer Enzyme stieg um bis zu 300 Prozent, chemische Marker für Zellschäden gingen deutlich zurück. Das Spray blockiert das Salz also nicht, es stärkt die eigene Stressabwehr der Pflanze.
Tomaten waren ein bewusst gewählter Testfall. Die weltweite Produktion lag 2023 bei etwa 192 Millionen Tonnen, und die Pflanze reagiert vergleichsweise empfindlich auf Salz. "Wenn es bei Tomaten gut funktioniert, ist das ein starkes Signal, dass es sich auf andere salzempfindliche Kulturen übertragen lässt", sagte Sharifan dem Anthropocene Magazine.
Die Ergebnisse stammen aus kontrollierten Gewächshausbedingungen. Das Team betont, dass Feldversuche nötig sind, bevor Betriebe sich auf das Spray verlassen können. Zwei Fragen stehen dabei im Vordergrund: ob der Effekt über eine ganze Saison im Freiland hält und was wiederholte Mangangaben über Jahre mit der Bodengesundheit machen.
