Wenn im Sommer der Asphalt glüht, wirken begrünte Flächen wie eine natürliche Klimaanlage. Wie viel sie tatsächlich leisten, lässt sich inzwischen messen: Auswertungen von Satellitendaten zeigen, dass naturnahe Grünflächen die Oberflächentemperaturen ihrer Umgebung um mehrere Grad senken können – ein Effekt, der in dicht bebauten Städten zunehmend zählt.
Besonders im Blick stehen dabei Kleingärten. Der kühlende Effekt großer Parks, Friedhöfe und vor allem Wälder ist zwar noch ausgeprägter, doch auch die vergleichsweise kleinen Parzellen bieten messbaren Schutz gegen städtische Hitzeinseln, wie das Berliner Econics Institute feststellte. "Wenn es größere Kolonien sind, sind das schon ein paar Grad, die das in den Oberflächentemperaturen ausmacht", sagt der Ökologe Pierre Ibisch von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde.
Entscheidend ist nicht nur die Größe, sondern die Bewirtschaftung. Große Bäume, wenig versiegelte Fläche und naturnahes Gärtnern verstärken den Effekt. Der Dresdner Kleingartenverein Aronia etwa verzichtet bewusst auf Kunstdünger, Pestizide und Torf und setzt aufs Mulchen: Eine Schicht aus Pflanzenresten hält den Boden feucht, spart Wasser und schützt das Bodenleben. "Wir gärtnern mit der Natur, nicht gegen sie", sagt Vereinsvorstand Sven-Karsten Kaiser.
Um die Kühlleistung von Landschaften systematisch zu erfassen, haben der Naturschutzbund (Nabu) und das Econics Institute einen "Grün-feucht-kühl-Index" entwickelt. Die auf Wetter- und Satellitendaten gestützte Karte zeigt bundesweit, wie gut Natur noch Hitze mildert, Wasser hält und die Folgen von Extremwetter abfedert. Der Befund ist ernüchternd: Vor allem intensiv genutzte Agrarregionen, stark versiegelte Städte und ausgebaute Gewässer weisen Defizite auf, der Trend ist negativ.
Genau deshalb rücken kleinräumige Grünflächen in den Blick der Stadtplanung. Kleingärten speichern Kohlenstoff, halten Regenwasser zurück und kühlen ihre Nachbarschaft – und lassen sich mit einfachen Mitteln wie Mulchen, Beschattung und mehr Vielfalt an die heißer werdenden Sommer anpassen. Was lange als private Freizeitidylle galt, könnte so zum Baustein einer klimafesten Stadt werden.
