Die Rechnung, die ein internationales Forschungsteam aufmacht, dreht ein gängiges Argument um: Teuer ist nicht der Umbau des Ernährungssystems, teuer ist das Weiter-so. Zehn globale Modelle haben verglichen, wohin die Landwirtschaft bis 2050 steuert, wenn alles bleibt wie bisher – und wohin sie käme, wenn die Welt schrittweise auf gesündere, nachhaltigere Kost umstellt. Erschienen ist die Arbeit in »Nature«; geleitet wurde sie von der Cornell University, beteiligt waren unter anderem das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und das Modellvergleichsprojekt AgMIP.
Der Ausgangspunkt ist ein Missverhältnis. Ernährungssysteme verursachen rund ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen und sind der wichtigste Treiber dafür, dass fünf planetare Belastungsgrenzen überschritten werden. Etwa ein Drittel aller Lebensmittel geht zwischen Feld und Teller verloren oder landet im Müll, während die Hälfte der bewohnbaren Landfläche der Erde landwirtschaftlich genutzt wird – überwiegend für Vieh und Futtermittel. Nach dem EAT-Lancet-Bericht von 2025 ließen sich mit einer flexitarischen »Planetary Health Diet« jährlich rund 15 Millionen vorzeitige Todesfälle bei Erwachsenen vermeiden.
Das Transformationsszenario der Studie kombiniert drei Hebel: mehr pflanzliche Lebensmittel auf dem Teller, höhere landwirtschaftliche Produktivität ohne neue Flächen und halbierte Lebensmittelabfälle. Im Modell werden sie schrittweise eingeführt, so wie es auch in der Wirklichkeit umsetzbar wäre.
Was sich bis 2050 verschieben würde
Gegenüber dem Weiter-so-Pfad sinkt die weltweit genutzte Agrarfläche in den Modellen um neun Prozent, der Produktionswert der Viehwirtschaft um 60 Prozent und die gesamte Agrarproduktion um 17 Prozent – der Rückgang stammt fast vollständig aus der Tierhaltung. Dem steht ein Zuwachs gegenüber: Der Produktionswert von Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten steigt im Median um 23 Prozent. Die Zahl der Rinder, Schafe und Ziegen für die Fleischproduktion fällt im Modell auf ein Niveau wie Mitte der 1990er Jahre zurück. Am deutlichsten schrumpft das Weideland, um rund zehn Prozent oder etwa 274 Millionen Hektar – laut den Autorinnen und Autoren der größte absolute Flächenrückgang.
Für das Klima wäre der Effekt erheblich. Die Netto-CO2-Emissionen aus landwirtschaftlich bedingten Landnutzungsänderungen gingen um 76 Prozent zurück, die direkten Nicht-CO2-Treibhausgase der Produktion um ein Drittel.
»Unsere Studie zeigt, dass der bisherige Weg die teurere Option ist«, sagt Hermann Lotze-Campen, Leiter der Forschungsabteilung Klimaresilienz am PIK und Mitautor. Gesunde Ernährung für eine wachsende Weltbevölkerung würde den Gesamtwert der Agrarproduktion bis 2050 ungefähr auf dem Stand von 2020 halten – bei deutlich niedrigeren Umwelt- und Gesundheitskosten. Erstautor Matt Gibson, heute an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, hatte die Arbeit an der Cornell University koordiniert.
Beschönigt wird die Verteilung nicht: Die Einbußen träfen konzentriert die von Viehhaltung geprägten ländlichen Regionen, während sich der Nutzen für Gesundheit und Umwelt breit verteilt. Genau darin liegt die politische Aufgabe – und, wie Florian Zabel von der Universität Basel betont, die Gelegenheit, die Landwirtschaft grundlegend ökologischer aufzustellen.
