Den Mitgliedsverbänden des Weltfußballs ist etwas gelungen, was ihnen selten gelingt: Gemeinsam haben sie ihren eigenen Dachverband daran gehindert, einen Anteil an der Weltmeisterschaft zu verkaufen. In einer in der Nacht veröffentlichten Erklärung bestätigte FIFA-Präsident Gianni Infantino, dass der Plan, externe Investoren an den Wettbewerben des Verbands zu beteiligen, "nicht weiterverfolgt" werde.

Zur Debatte stand eine kommerzielle Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise, die die Rechte an den wichtigsten FIFA-Turnieren gehalten hätte, darunter die Weltmeisterschaften der Männer und der Frauen. Rund 20 Prozent davon sollten an Minderheitsinvestoren ohne Kontrollrechte verkauft werden, was bis zu 4,2 Milliarden Dollar eingebracht und den Geschäftsbereich mit etwa 20 Milliarden Dollar bewertet hätte. Laut BBC wurden den 211 Mitgliedsverbänden je 40 Millionen Dollar für ihre Zustimmung angeboten, Frist war der 19. September. Eine einfache Mehrheit von 106 der 211 Stimmen hätte genügt.

Diese Mehrheit kam nie in Reichweite. Die UEFA berief eine Dringlichkeitssitzung ein und beschloss einen Boykott: Solange die Vorschläge bestünden, werde keine europäische Nationalmannschaft an einem FIFA-Wettbewerb teilnehmen. "Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet", erklärte der europäische Verband. Die CONCACAF, zuständig für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik, teilte mit, ihre Mitglieder lehnten den Plan ab; der asiatische Verband AFC erklärte sich mit beiden solidarisch. Die CONMEBOL legte sich zunächst nicht fest und forderte von der FIFA Auskunft über Umfang, Struktur und Steuerung des Vorhabens.

Die Arithmetik hinter der Kehrtwende

UEFA (55 Stimmen), AFC (46) und CONCACAF (35) verfügen zusammen über 136 der 211 Stimmen – genug, um das Vorhaben zu beerdigen, sofern ihre Mitglieder der Linie ihrer Konföderation folgten. Auch innerhalb der FIFA regte sich Widerstand: Carlos Cordeiro, hochrangiger Berater Infantinos und früherer Banker, trat aus Protest zurück und schrieb, es sei "ein schlechtes Geschäft für den Fußball" und verpfände dessen Zukunft.

Infantino begründete den Rückzug damit, das Projekt habe zu "Spaltungen" geführt, die "nicht mehr im Interesse" des ursprünglich angestrebten Ziels lägen; er wolle die Beteiligten in den kommenden Wochen wieder zusammenbringen. AFC-Präsident Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa begrüßte die Entscheidung: Die Zukunft des Weltfußballs müsse "stets durch ordentliche Beratung, gemeinsamen Dialog und Respekt vor den etablierten Governance-Strukturen unseres Sports" gestaltet werden.

Praktisch bleibt die kommerzielle Kontrolle über die Weltmeisterschaft damit dort, wo sie war: bei den Verbänden, denen sie gemeinsam gehört. Die weitergehende Lehre lautet, dass die viel kritisierte Governance des Fußballs durchaus funktioniert – wenn seine Mitglieder sie tatsächlich nutzen.