Die Donau verbindet zehn Länder, legt von Donaueschingen bis ins Schwarze Meer rund 2.850 Kilometer zurück und liefert etwa 20 Millionen Menschen ihr Trinkwasser. Wie viel Mikroplastik sie dabei transportiert, weiß bislang niemand genau. In diesem Sommer soll sich das ändern: Seit dem 4. Juli entnimmt ein Team der gemeinnützigen Organisation Wasser 3.0 im Projekt „Donau 2850" Proben entlang des kompletten Flusslaufs – mehr als 250 sollen es bis zur Mündung werden.

Begleitet wird die Messkampagne von einem sportlichen Kraftakt. Der 39-jährige Langstreckenschwimmer Joseph Heß aus Dresden will die Donau auf ganzer Länge durchschwimmen. Nach einem symbolischen Auftakt an der Quelle in Donaueschingen begann die eigentliche Strecke in Ulm; von dort liegen mehr als 2.600 Kilometer vor ihm. Rund 50 Kilometer pro Tag hat er sich vorgenommen, ohne Pausentage, gesichert von zwei Kajaks, übernachtet wird im Wohnmobil. „Ich freue mich auf das, was noch kommt: zehn Länder, vier Hauptstädte", sagte Heß bei seinem Zwischenstopp in Donauwörth. Der derzeit niedrige Pegelstand macht ihm das Schwimmen nicht leichter.

Neu ist nicht, dass Mikroplastik in europäischen Gewässern gemessen wird – zur Donau existieren Studien, große EU-Forschungsprojekte und Citizen-Science-Programme mit tausenden Beteiligten. Neu ist der durchgehende Maßstab. Denn das eigentliche Defizit der Mikroplastikforschung sind nicht fehlende Messungen, sondern Messungen, die sich kaum miteinander vergleichen lassen.

Warum Zahlen bisher schwer vergleichbar sind

Als Mikroplastik gelten Kunststoffpartikel unter fünf Millimetern. Sie entstehen, wenn größere Abfälle zerfallen, wenn Reifen abgerieben werden, wenn Textilien beim Waschen Fasern verlieren oder wenn Kunststoffgranulat auf dem Weg durch Industrie und Transport verloren geht. Die Partikel unterscheiden sich in Größe, Form, Material, Dichte und Herkunft: Manche treiben an der Oberfläche, andere sinken ins Sediment, wieder andere werden von Organismen aufgenommen. Eine Oberflächenprobe sagt deshalb etwas anderes aus als eine Sedimentprobe, eine grobe Maschenweite erfasst anderes als eine feine – und ein einzelner Messpunkt bildet einen 2.850 Kilometer langen Strom ohnehin nicht ab.

Untätig ist Europa dabei nicht: Seit Oktober 2023 beschränkt die EU über die REACH-Verordnung absichtlich zugesetztes Mikroplastik, etwa in Kosmetika, Reinigungsmitteln, Düngern oder Sportplatzbelägen. Was fehlt, sind vergleichbare Daten darüber, wo die Partikel in welchen Mengen tatsächlich auftreten, und daraus abgeleitete politische Konsequenzen. Ein Fluss, in dessen Einzugsgebiet mehr als 80 Millionen Menschen leben, ist dafür ein guter Anfang.