Die Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr 2026 wieder Gewinn gemacht, zum ersten Mal seit 2019. Unter dem Strich blieben 147 Millionen Euro, nach einem Verlust von 760 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das ist ein Ergebnissprung von mehr als 900 Millionen Euro. Im gesamten Jahr 2025 hatte der Konzern noch ein Minus von 2,3 Milliarden Euro ausgewiesen.
Auch das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich deutlich. Es stieg um rund 650 Millionen Euro auf plus 415 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 1,8 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro zu. Für das Gesamtjahr hält der Vorstand an seiner Prognose fest. Das operative Ergebnis soll auf etwa 600 Millionen Euro steigen, nach 297 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz soll rund 28 Milliarden Euro erreichen.
Parallel dazu sind mehr Menschen mit der Bahn gefahren. Rund 960 Millionen Reisende zählte der Konzern im ersten Halbjahr, etwa 17 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Im Fernverkehr, lange ein Verlustbringer, drehte das operative Ergebnis von minus 59 Millionen auf plus 148 Millionen Euro. Seit April ziehen die Ticketverkäufe an, gestützt auf Angebotspreise. 600.000 Fahrgäste nutzten bereits das Last-Minute-Angebot, mehr als 50.000 Mal wurde die kostenlose Jugend-BahnCard bestellt.
Woher der Umschwung kommt
Als Hauptgrund nennt der Konzern eine bessere operative Entwicklung in allen Geschäftsfeldern. Dazu kommen erste Kostensenkungen und Personalabbau in der Konzernleitung und bei den internen Dienstleistern. Dieser Abbau läuft schneller als geplant. Das für 2028 gesetzte Ziel ist bereits zu rund 30 Prozent erreicht. Dahinter steht die Strategie "DB 2035", mit der Vorstand und Aufsichtsrat den Umbau festgelegt haben. Der Konzern soll schlanker und dezentraler werden, mit mehr Verantwortung in der Fläche.
Die seit Oktober amtierende Bahnchefin Evelyn Palla nannte das Ergebnis eine "wichtige Wegmarke". "Zum ersten Mal seit sieben Jahren schreibt unser Eisenbahngeschäft unterm Strich wieder schwarze Zahlen", sagte sie. Zugleich dämpfte sie die Erwartungen. Zufrieden sei sie erst, "wenn auch die Qualität im täglichen Eisenbahnverkehr überzeugt".
Diese Einschränkung wiegt schwer, und sie stammt vom Vorstand selbst. Die Züge fahren weiterhin unpünktlich, die Infrastruktur bleibt sanierungsbedürftig. Ein Halbjahresgewinn von 147 Millionen Euro ist gemessen an 13,6 Milliarden Euro Umsatz eine schmale Marge. Der Befund lautet also nicht, dass die Bahn saniert wäre. Er lautet, dass sich die Richtung zum ersten Mal seit sieben Jahren umgekehrt hat.
