Biberdämme halten Teile der englischen Landschaft feucht, während mehr als die Hälfte des Landes unter Dürre steht. Alan Puttock von der University of Exeter sagt, die Teiche und Dämme der Tiere hielten Wasser zurück und verlangsamten seinen Abfluss. Das verschafft Wildtieren einen Rückzugsort in ansonsten ausgedörrter Landschaft.
Der Umfang lässt sich beziffern. Forschende der University of Exeter und des Devon Wildlife Trust kombinierten Drohnenaufnahmen mit Messungen der Wassertiefe in vier Biberrevieren. Zusammen speicherten diese Feuchtgebiete mehr als 24 Millionen Liter Wasser, im Schnitt sechs Millionen Liter je Standort. Das entspricht etwa zehn olympischen Schwimmbecken hinter den Dämmen.
Dieselben Bauten wirken auch bei umgekehrtem Wetter. Anhand von Pegeldaten der Umweltbehörde Environment Agency stellten die Forschenden fest, dass Biberdämme und ihre Feuchtgebiete Sturmabflüsse bei Starkregen um durchschnittlich 30 Prozent senken. Jeder Teich fasst rund 1.000 Kubikmeter Wasser und gibt es langsam durch undichte Dämme wieder ab.
Warum eine entwässerte Landschaft schneller austrocknet
Moderne Landschaften seien stark entwässert, sagt Puttock. Regen fließt schnell ab, das erhöht die Hochwassergefahr und lässt für Trockenzeiten wenig im Boden zurück. Biber-Feuchtgebiete drehen dieses Muster um. Sie halten Wasser fest und geben es über Wochen statt über Stunden an die Flüsse zurück.
Die Nebenwirkungen sind praktisch. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Press Association bringen die Feuchtgebiete mehrere praktische Vorteile. Sie liefern Weide und Tränke für Vieh und halten Flüsse so weit gefüllt, dass weiter Wasser entnommen werden kann. Zudem dämpfen sie Sturzfluten auf ausgebackenem Boden und wirken sogar als Feuerschneise. Luftbilder des Einzugsgebiets des River Otter in Devon zeigen grünes Feuchtland, während das Umland braun geworden ist. Für Devon wurde wie für viele Regionen Englands offiziell Dürre erklärt, in Teilen der Grafschaft hat es 50 Tage lang nicht geregnet.
In Großbritannien wurden Biber vor rund 400 Jahren ausgerottet. 2014 entdeckte man am River Otter eine frei lebende Population, 2020 erhielten die Tiere das Recht zu bleiben. Der Devon Wildlife Trust zählt heute etwa 20 Familienreviere entlang des Flusses und seiner Zuflüsse. Im Februar 2026 wurden vier Paare in die Flüsse Par und Fowey in Cornwall entlassen.
Puttock bleibt bei der Einordnung vorsichtig. "Ein einzelnes Biber-Feuchtgebiet wird nicht alle unsere Dürreprobleme lösen", sagte er. "Aber insgesamt bedeutet es, dass wir weniger anfällig für Dürren sind, wenn sich Biber in unseren Landschaften ausbreiten und wir zugleich andere naturbasierte Lösungen oder Feuchtgebietsprojekte umsetzen."
