Wer ihn hört, sucht seit Jahrzehnten draußen nach der verantwortlichen Maschine: einer Lüftungsanlage, einer Wärmepumpe, fernem Verkehr, einer Fabrik hinter dem Hügel. Eine Studie mit 28 Betroffenen in Deutschland legt nahe, dass die Suche am falschen Ort stattfand. Der Ton entsteht bei den meisten offenbar im Hörsystem selbst.

Das als "The Hum" bekannte Phänomen – ein anhaltendes tieffrequentes Brummen, das schätzungsweise zwei bis vier Prozent der Menschen wahrnehmen, während andere im selben Raum nichts hören – trat Mitte der 1970er Jahre in Bristol öffentlich in Erscheinung, als die Lokalzeitung Leserbriefe von Anwohnern sammelte, die wissen wollten, was sie da hörten. Später kamen Berichte aus Plymouth, Southampton, Swansea und London, in den 1990er Jahren aus Taos in New Mexico und Kokomo in Indiana, seither aus Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika und europäischen Städten. Als Erklärungen kursierten über die Jahre Lärmbelastung und Meeresbrandung ebenso wie die CIA und Außerirdische.

Ein Team um Markus Drexl, Professor an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie, prüfte die beiden Hypothesen, die sich tatsächlich messen lassen. Die Ergebnisse erschienen im März 2026 in PLOS One.

Zwei Erklärungen, beide ausgeschlossen

Die erste lautete, Betroffene hörten im tiefen Frequenzbereich schlicht besser als andere und nähmen reale Schallwellen wahr, die weite Strecken zurücklegen und deren Quelle notorisch schwer zu orten ist. Die große Mehrheit der Teilnehmenden zeigte keinen solchen Vorteil; nur zwei hatten in Teilen des tiefen Bereichs eine überdurchschnittliche Empfindlichkeit.

Die zweite lautete, sie hörten ihr eigenes Ohr. Die Cochlea erzeugt als Nebenprodukt der Schallverstärkung leise Töne – otoakustische Emissionen, typischerweise zwischen etwa 500 und 5.000 Hertz, die sich mit einem Mikrofon im Gehörgang messen lassen und gelegentlich als Tinnitus wahrgenommen werden. Das Team suchte danach im tiefen Bereich. Sie waren nicht vorhanden.

Bleibt ein Phantomgeräusch, das im Hörsystem entsteht und von außen nicht messbar ist: subjektiver Tinnitus in ungewöhnlich tiefer Lage. Das passt zu dem, was Betroffene beschreiben – der Ton wird zunächst einer äußeren Quelle zugeschrieben und erst später als etwas erkannt, das mit ihnen mitwandert.

Drexl nennt eine Einschränkung. Standardisierte Hörtests sind nicht darauf ausgelegt, sehr schmale Schwankungen der Hörschwelle zu erfassen; denkbar bleibt daher, dass manche Menschen in einem winzigen Frequenzausschnitt besonders empfindlich sind – etwa zwischen 50 und 51 Hertz.

Der Befund schaltet den Ton nicht ab. Aber er ordnet eine oft wirklich zermürbende Erfahrung – sie stört den Schlaf und kann körperlich krank machen – als anerkanntes Hörleiden mit etablierten Behandlungswegen ein statt als ungeklärte Anomalie, der man im Freien endlos nachjagt.