Wer die Lebensmitte ohne Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Rauchen erreicht, lebt danach fast 13 Jahre länger ohne Demenz als jemand mit allen drei Risikofaktoren. Das ergibt eine Auswertung von 12.409 Amerikanern, die über ein Vierteljahrhundert begleitet wurden. Sie erschien am 5. August in "Neurology Open Access".
Die Zahlen sind konkret. Teilnehmende ohne einen der drei Faktoren hatten im Mittel 30,1 weitere Jahre ohne Demenz vor sich. Ein Risikofaktor senkte den Wert auf 26,3 Jahre, zwei auf 21 Jahre, alle drei auf gut 17. Wer alle drei mitbrachte, erkrankte 2,69-mal so häufig an Demenz.
Die Forschenden von NYU Langone Health nutzten die Atherosclerosis-Risk-in-Communities-Studie, die in den 1980er-Jahren begann und ihre Teilnehmenden bis ins hohe Alter verfolgte. Die 12.409 ausgewerteten Personen waren im Schnitt 56 Jahre alt und frei von Demenz, als ihre Risikofaktoren erfasst wurden. Im Median 26,3 Jahre später hatten 3008 eine Demenz entwickelt, 5238 waren ohne Demenz gestorben.
Jahre zählen statt Risiken
Ungewöhnlich ist, was die Gruppe gemessen hat. Die meisten Demenzstudien nennen die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung. Diese nennt die Zeit ohne sie.
"Statt sich nur auf die Erkrankungswahrscheinlichkeit zu konzentrieren, stellt diese Studie eine Frage, die für Menschen zählt: Wie lange können wir erwarten, frei von Demenz zu leben?", sagte Jacqui Hanley, Forschungsleiterin bei Alzheimer's Research UK, die nicht beteiligt war.
Zwei Lücken ziehen sich durch die Ergebnisse. Frauen lebten unabhängig von ihrem Risikoprofil länger ohne Demenz als Männer. Weiße Teilnehmende hatten mehr demenzfreie Jahre als schwarze. Die Autoren verweisen auf ungleichen Zugang zur Versorgung und auf Unterschiede in der Behandlung der Risikofaktoren.
Der Rahmen ist groß. Die Zahl der Demenzkranken weltweit dürfte sich bis 2050 auf 153 Millionen fast verdreifachen. Frühere Arbeiten schätzten, dass sich 45 Prozent der Fälle verhindern oder verzögern ließen, wenn 14 beeinflussbare Risikofaktoren über das ganze Leben hinweg angegangen würden.
"Hoffentlich ermutigen diese Ergebnisse die Menschen, mit dem Rauchen aufzuhören und ab 45 genau auf ihre Gefäßgesundheit zu achten", sagte Josef Coresh, leitender Untersucher und Direktor des Optimal Aging Institute an der NYU Langone.
Zur Schlagzeilenzahl gehört eine Einschränkung. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, und sie verspricht keiner einzelnen Person 13 zusätzliche Jahre. "Der Wert vergleicht Menschen ohne einen der drei Risikofaktoren mit jenen, die alle drei hatten, und das demenzfreie Überleben spiegelt sowohl den Zeitpunkt der Demenz als auch die Gesamtlebensdauer", sagte der Internist Dung Trinh von der Healthy Brain Clinic im kalifornischen Irvine, der nicht beteiligt war, dem Portal "Medical News Today". Wer diese drei Erkrankungen vermeidet, lebt auch insgesamt länger, und ein Teil des Werts kommt daher.