Ein Punktwert aus wenigen Blutwerten kann das Takotsubo-Syndrom vom Herzinfarkt unterscheiden, noch bevor ein Herzkatheter gelegt wird.

Entwickelt hat den sogenannten BioTAK-Score ein internationales Team. Beteiligt waren Fachleute der Universität Zürich und der Universitätsmedizin Greifswald. Die Arbeit erschien Ende August 2026 im European Heart Journal. In einer unabhängigen Prüfung an knapp 1.800 Patientinnen und Patienten ordnete der Score fast 90 Prozent der Fälle richtig zu. Darüber berichten MDR Wissen und der Wissenschaftsdienst Medical Xpress.

Für Betroffene geht es um einen Eingriff. Das Takotsubo-Syndrom ist eine akute Störung der Pumpfunktion des Herzens. Ausgelöst wird sie meist durch starken seelischen oder körperlichen Stress. Betroffen sind vor allem Frauen nach den Wechseljahren. Die Beschwerden gleichen einem Infarkt: Brustschmerz, Veränderungen im EKG, erhöhte Herzenzyme. Verschlossen sind die Herzkranzgefäße aber nicht. Wer beide Krankheitsbilder sicher trennen will, braucht bislang den Katheter. Für einen Teil der Untersuchten bleibt er damit ohne Nutzen.

Wie groß dieser Teil ist, zeigen die Häufigkeiten. Rund zwei Prozent aller Menschen mit Infarktverdacht haben ein Takotsubo-Syndrom. Bei Frauen mit akutem Koronarsyndrom trifft es laut MDR bis zu jede Zehnte.

Zwei neue Marker

Der Score verbindet das biologische Geschlecht mit mehreren Eiweißmarkern aus dem Blut. Welche Kombination am meisten aussagt, ermittelte das Team mit künstlicher Intelligenz. Zwei der Marker sind in dieser Rolle neu. Das eine Eiweiß aktiviert Botenstoffe, die Stressreaktion, Angst, Gefäßspannung und unbewusste Körperfunktionen steuern. Das zweite hängt mit der Stabilität von Ablagerungen in den Arterien zusammen. Gemeinsam deuten sie auf eine Achse zwischen Gehirn und Herz. Der Mechanismus läuft offenbar unabhängig von der Arterienverkalkung ab.

„Unsere Studie zeigt, dass eine einfache Kombination aus Blutbiomarkern und dem Geschlecht die Patientinnen und Patienten bereits vor einer Herzkatheteruntersuchung mit bemerkenswerter Genauigkeit identifizieren kann", sagt Florian A. Wenzl vom Zentrum für Molekulare Kardiologie der Universität Zürich, einer der Erstautoren.

Den Katheter ersetzt der Test nicht. Christian Templin leitet die Klinik für Innere Medizin B an der Universitätsmedizin Greifswald und gründete das internationale Takotsubo-Register. „Er könnte jedoch helfen, diagnostische Abläufe gezielter zu steuern und bei ausgewählten Patientinnen und Patienten unnötige invasive Untersuchungen zu vermeiden", sagt er.

Ob der Score im Klinikalltag tatsächlich Eingriffe erspart, ist offen. Das sollen weitere Studien klären.