Sechs Sprints von je 30 Sekunden verändern das Blut stärker als anderthalb Stunden gemächliches Radfahren. Das berichtet ein Team um Luke Olsen von der Rockefeller University in New York im Fachjournal „Cell Reports Medicine“.
Die Forschenden ließen zehn junge, aktive Männer auf dem Fahrrad sechsmal 30 Sekunden bis an die eigene Belastungsgrenze gehen. Zwischen den Sprints lagen jeweils vier Minuten Pause. Neun weitere Probanden radelten 90 Minuten lang bei mittlerer Belastung. Vor dem Training, direkt danach und drei Stunden später maßen die Wissenschaftler die Proteine im Blutplasma.
Der Unterschied fiel deutlich aus. Unmittelbar nach den Sprints hatten sich 714 Proteine verändert, fast ein Viertel aller nachgewiesenen. In der moderaten Vergleichsgruppe waren es weniger als ein Viertelprozent, berichtet das Wissenschaftsmagazin „Nautilus“. Ausgeschüttet wurden unter anderem Eiweiße, die am Wachstum von Blutgefäßen, am Gewebeumbau und an der hormonellen Signalübertragung beteiligt sind.
Viele dieser Proteine gelangten auf einem ungewöhnlichen Weg ins Blut. Die Zelle schied sie nicht aus, sondern schnitt sie von ihrer Membran ab. Fachleute nennen den Vorgang Ektodomänen-Shedding. Er verkürzt den Weg in den Kreislauf.
Was die Signale in den Zellen auslösen
Um die Wirkung zu prüfen, brachten die Forschenden menschliche Muskel- und Fettzellen mit dem Blutplasma der Probanden in Kontakt. Die Zellen regelten daraufhin zahlreiche Gene hoch oder herunter. Betroffen waren unter anderem der Energiestoffwechsel, die Reaktion auf Hormone und die Wahrnehmung von Nährstoffen.
Anschließend glichen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse mit Gesundheitsdaten von mehr als 53.000 Menschen aus der UK Biobank ab. Dort sind 33 Proteinmarker mit einem geringeren Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und andere Stoffwechselstörungen verknüpft. Die Sprints veränderten 32 davon.
„Spannend ist, dass schon wenige Minuten intensiver Bewegung eine deutliche molekulare Antwort auslösen“, sagte Studienautor Paul Cohen in einer Mitteilung. „Und wir sehen sie auch nach acht Wochen Training noch. Das sagt uns, dass die Reaktion nicht einfach daher rührt, dass der Körper mit einer ungewohnten Belastung kämpft.“
Die Aussagekraft hat Grenzen. Beide Gruppen umfassten weniger als 20 Personen und bestanden überwiegend aus Männern. Ob sich die molekularen Signale in messbare Gesundheitsgewinne übersetzen, ist damit nicht gezeigt. Die Biobank-Daten liefern dafür nur einen indirekten Hinweis.
