Die Zahl geht leicht unter, weil sie der Erwartung widerspricht: Zwischen 2011 und 2025 kamen weltweit mehr als eine Milliarde Kraftfahrzeuge hinzu – und im selben Zeitraum sank die Rate der Verkehrstoten um 21 Prozent. Die Daten hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 20. Juli veröffentlicht, zeitgleich mit der Verabschiedung einer neuen Erklärung der UN-Generalversammlung zur Verkehrssicherheit.

Die verbleibende Bilanz bleibt gewaltig. 1,16 Millionen Menschen starben 2025 bei Unfällen, und Verkehrsverletzungen sind weiterhin die häufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 29 Jahren. Die volkswirtschaftlichen Kosten beziffert die WHO in den meisten Ländern auf rund drei Prozent der Wirtschaftsleistung – Behandlung, entgangene Produktivität und die langfristige Belastung der Familien zusammengenommen.

Der Fortschritt fällt zudem auffällig ungleich aus. Die europäische WHO-Region verzeichnete mit 36 Prozent den stärksten Rückgang, gefolgt vom westpazifischen Raum mit 15 Prozent. In Amerika stagnierten die Zahlen. In Südostasien, wozu auch Indien zählt, betrug der Rückgang nur zwei Prozent; allein in Indien starben 2024 nach Angaben des dortigen Verkehrsministeriums 177.177 Menschen im Straßenverkehr. In der afrikanischen Region stiegen die Todesfälle um 17 Prozent.

Die Mittel sind bekannt

Was die Regionen trennt, ist vor allem die Frage, ob erprobte Maßnahmen umgesetzt wurden. "Wir wissen, was wirkt – strenge Gesetze und deren Durchsetzung, sichere Infrastruktur und Fahrzeuge, mit besonderem Augenmerk auf niedrigere Geschwindigkeiten und Fahren unter Einfluss", sagte Etienne Krug, Direktor bei der WHO. Das deutlichste Beispiel ist kommunal, nicht national: Helsinki kam ein volles Jahr ohne einen einzigen Verkehrstoten aus.

Sowohl die WHO-Daten als auch die neue Erklärung stützen sich auf den Ansatz des "sicheren Systems". Er geht davon aus, dass Menschen immer Fehler machen, und gestaltet Straßen, Geschwindigkeiten und Fahrzeuge so, dass aus einem Fehler kein Todesfall wird. Die Unterzeichnerstaaten verpflichten sich auf nationale Strategien mit festen Zielen, Fristen und Budgets, auf federführende Behörden, bessere Unfalldaten, schärfere Verkehrsgesetze sowie auf Straßen und Fahrzeuge, die international anerkannten Sicherheitsstandards genügen.

Neue Mobilitätsmuster erschweren das Bild. Getrieben von Fahrdiensten und Lieferverkehr hat sich der weltweite Motorradbestand zwischen 2011 und 2025 mehr als verdreifacht; auf Motorradfahrende entfällt inzwischen fast ein Drittel aller Verkehrstoten – eine Gruppe, bei der ein geprüfter Helm das Sterberisiko bei einem Unfall um mehr als das Sechsfache senkt. E-Scooter, E-Bikes und autonome Fahrzeuge kommen schneller als die Regeln für sie, und das in Städten, in denen mittlerweile rund 60 Prozent der Menschheit lebt.

Die Erklärung verpflichtet die Regierungen darauf, Verkehrstote und Schwerverletzte bis 2030 gegenüber 2021 zu halbieren. "Alle Verkehrstoten sind vermeidbar, und keiner ist hinnehmbar", sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Gemessen am Trend der vergangenen fünfzehn Jahre ist das Ziel anspruchsvoll – aber nicht mehr unrealistisch.