Solaranlagen haben in den Vereinigten Staaten erstmals über einen ganzen Monat hinweg mehr Strom geliefert als Kohlekraftwerke. Im Mai 2026 kam die Photovoltaik auf 12,8 Prozent des amerikanischen Strommixes, die Kohle auf 12,2 Prozent. Das ergibt eine Auswertung des Energie-Thinktanks Ember.
Vor fünf Jahren waren die beiden nicht vergleichbar. Im Mai 2021 hielt die Kohle 19,7 Prozent des Mixes, die Solarenergie 5,4 Prozent. Seither hat sich der Kohleanteil fast halbiert, der Solaranteil mehr als verdoppelt.
Auch in absoluten Zahlen sind die Maiwerte Rekorde. Die Photovoltaik erzeugte 45,5 Terawattstunden, 17 Prozent mehr als im Mai 2025 und mehr als beim bisherigen Höchstwert vom vergangenen Juli. Die Kohle kam auf 43,4 Terawattstunden, 11 Prozent weniger als im Mai 2025, nachdem sie im April mit 39,3 Terawattstunden ihren tiefsten Monatswert überhaupt erreicht hatte. Solarstrom ist inzwischen die drittgrößte Quelle im Land, hinter Gas und Kernkraft.
Wie das in einem Bundesstaat aussieht
Utah überschritt im selben Monat eine eigene Schwelle. Dort erzeugte die Solarenergie erstmals mehr Strom als jede andere Quelle, knapp eine Terawattstunde und damit fast ein Drittel der Erzeugung des Bundesstaats, wie das Magazin "Grist" anhand von Ember-Daten berichtet. Gas lieferte 32 Prozent, Kohle 28 Prozent, Wind 2 Prozent. 2017 hatte die Kohle je nach Monat noch zwischen 64 und 78 Prozent des Stroms in Utah erzeugt.
Drei Projekte erklären einen großen Teil des Wandels. Das Green River Energy Center auf rund 1000 Hektar ging in diesem Frühjahr mit 400 Megawatt Photovoltaik und 400 Megawatt Batteriespeicher in Betrieb. Das Projekt Faraday Solar liefert seit dem vergangenen Herbst bis zu 685 Megawatt an ein Rechenzentrum von Meta. Die Anlage Elektron Solar speist seit Juni 2024 80 Megawatt nach Salt Lake City und Park City ein.
"Der Trend zu immer mehr Solarenergie in Utah ist eine wunderbare Nachricht für die Luftqualität, für das Klima und für Arbeitsplätze und Wirtschaft", sagte Dan Schroeder, Physikprofessor an der Weber State University. Die Solarbranche trägt im Bundesstaat knapp 8000 Arbeitsplätze, gegenüber 1291 in der Öl- und Gasförderung im Jahr 2025 und 1059 im Kohlebergbau im Jahr 2023.
Die steigende Nachfrage gehört zur Erklärung. Versorger im Westen der USA bereiten sich auf Rechenzentren und andere Großverbraucher vor, und Projektierer sehen Solarparks mit Batterien als schnellsten Weg zu neuer Leistung.
Ein Monat entscheidet nichts, und der Mai schmeichelt der Solarenergie: Die Erzeugung ist hoch, während die Nachfrage vor der Kühlsaison noch mäßig bleibt. Der Solaranteil erreicht deshalb meist im April oder Mai seinen Höchststand, obwohl die absolute Erzeugung erst im Juni oder Juli gipfelt. Ember erwartet, dass sich der Wechsel häufiger wiederholt und in zwei bis drei Jahren über ein ganzes Jahr hinweg Bestand hat.