Dass eine Scheinbehandlung Schmerzen lindern kann, ist gut belegt: Erwartet das Gehirn Linderung, schüttet es Opioide und Botenstoffe wie Dopamin aus, und die Wirkung ist messbar. Weniger klar war bisher, ob die beiden Wege, auf denen Behandelnde diesen Effekt auslösen, im Gehirn dasselbe tun. Eine neue Auswertung legt nahe: Sie tun es nur teilweise.
In der klinischen Praxis kommen zwei Techniken zum Einsatz. Bei der ersten erzeugt die behandelnde Person durch Worte eine Erwartung, etwa indem sie die Vorzüge eines Mittels ausführlich schildert. Bei der zweiten wird konditioniert: Während einer Lernphase erhalten Patienten unter der Scheinbehandlung — einer Creme, einem wirkstofffreien Präparat — heimlich schwächere Schmerzreize, teils auch echte Schmerzmittel, bis die Verknüpfung sitzt.
„Ob verbale Suggestion und Konditionierung allerdings auf den gleichen neuronalen Signalwegen beruhen, war bislang unklar", schreibt ein Team um Tamas Spisak von der Universität Duisburg-Essen. Der Grund ist methodisch: Die meisten Studien setzten jeweils nur eine der beiden Techniken ein, was direkte Vergleiche verhinderte.
Ein gemeinsamer Kern, ein zusätzlicher Weg
Spisak und Kollegen aus dem Placebo Imaging Consortium haben deshalb die Rohdaten einzelner Teilnehmender aus 16 bildgebenden Placebo-Studien zusammengeführt — 409 Personen, deren Hirnaktivität jeweils mit und ohne Scheinbehandlung erfasst worden war. In fünf Studien wirkte allein die verbale Instruktion, in elf kam eine Konditionierung hinzu. Die Arbeit erschien im Juli 2026 in „Nature Communications".
Beide Techniken teilen einen Kern: Unter Schmerz steigt die Aktivität im dorsolateralen präfrontalen und im unteren Scheitellappenbereich, während sie in der Inselrinde, im Putamen und in primären sensorischen Arealen sinkt. Die Konditionierung legt darüber hinaus etwas obendrauf. Sie beansprucht Regionen stärker, die Kontext abbilden und Schmerz modulieren, und drückt die Aktivität in schmerzverarbeitenden Arealen deutlicher. Gemessen an der Neurologischen Schmerzsignatur — einem etablierten Muster für die Verarbeitung schmerzhafter Reize — verstärkt sie den Zusammenhang zwischen erlebter Linderung und gedämpfter Schmerzverarbeitung.
Praktisch heißt das: Die Kombination aus Erklärung und Konditionierung erzielt die stärkste Linderung, und sie tut es teilweise über andere Schaltkreise als das Gespräch allein. Das ist mehr als eine akademische Feinheit. Wer Schmerztherapien plant oder klinische Studien auswertet, in denen die Placebogruppe erheblich profitiert, arbeitet bislang mit der Annahme eines einheitlichen Effekts. Die Daten sprechen dafür, dass es zwei Hebel sind — die sich gezielt und ohne zusätzlichen Wirkstoff kombinieren lassen.
