Im August 2019 stießen vier Hobby-Fossiliensucher nahe Richmond im Outback von Queensland auf mehrere große Knochen. Das Gelände ist öffentlich zugänglich und darf mit Lizenz abgesucht werden. Sie übergaben den Fund dem örtlichen Museum Kronosaurus Korner, wo die Mitarbeitenden ihn B.O.B. tauften, kurz für bag of bones. Darin steckte etwas bislang nicht Dokumentiertes: eine Nahrungskette mit drei Gliedern, überliefert in einem einzigen Tier.
Drei Jahre nach dem ersten Fund kehrte Kurator Kevin Petersen an die Fundstelle zurück und barg den Rest des Skeletts. Mitarbeitende und Freiwillige brauchten anschließend mehr als 600 Stunden, um es freizulegen und zu präparieren. Zum Vorschein kam ein teilweise im Verbund erhaltener Ichthyosaurier der Art Platypterygius australis. Das Tier war knapp sieben Meter lang und schwamm vor über 100 Millionen Jahren im Eromanga-Binnenmeer.
Entscheidend war jedoch nicht das Skelett, sondern mehrere dichte Gesteinsknollen unmittelbar hinter dem Schädel. Das Team um Matt White von der University of New England brach sie nicht auf. Stattdessen schickte es die Knollen an die australische Organisation für Nuklearwissenschaft und Technologie. Dort durchleuchtete Joseph Bevitt sie mit Neutronenbildgebung, ohne sie anzutasten.
Was die Aufnahmen zeigten
In den Knollen steckten Fischreste, tintenfischartige Kopffüßer und Bruchstücke des Unterkiefers eines Flugsauriers. Ihre Lage direkt hinter dem Schädel und die Mischung der Beutereste sprechen für fossilen Mageninhalt. Es ist der erste dokumentierte Fall, in dem ein Ichthyosaurier einen Flugsaurier oder Teile davon gefressen hat.
Die Überreste des Tieres selbst erzählen den nächsten Teil. Wirbel waren gespalten, Rippen fehlten, Knochen trugen große, zermalmende Bissspuren. An einem Wirbel steckte noch eine Rippe gegen eine Bruchfläche gepresst. "Was mich verblüfft hat, war nicht nur die Größe des Tieres, sondern die Art, wie sein Skelett beschädigt war", sagte White. Das Bissmuster deutet auf Kronosaurus queenslandicus, einen kurzhalsigen Pliosaurier von rund zwölf Metern Länge. Er war groß genug, um einen sieben Meter langen Ichthyosaurier als Beute zu behandeln.
Die Studie erschien am 27. Juli im Fachjournal Gondwana Research. "Es ist eines der klarsten je entdeckten Beispiele für eine dreistufige Räuber-Beute-Beziehung und bietet einen beispiellosen Einblick in das Verhalten in Australiens Kreidemeeren", sagte der Paläontologe Dean Lomax, der die Arbeit begutachtet hat.
Zwei Punkte lohnen die Aufmerksamkeit. Fossilien überliefern normalerweise Anatomie, nicht Verhalten. Dieses überliefert, wer wen gefressen hat, und das gleich zweimal. Und der Weg des Fundes führt von vier Hobbysuchern über ein kleines Regionalmuseum und 600 Stunden ehrenamtlicher Arbeit bis an eine Neutronenquelle. Die Paläontologie hängt noch immer von Menschen ab, die einfach losgezogen sind und gesucht haben.