Die illegale Fischerei entlang von 480 Kilometern türkischer Mittelmeerküste ist um rund 80 Prozent zurückgegangen. In diesen Gewässern leben inzwischen mehr als 30 Mittelmeer-Mönchsrobben.
Das Meer zwischen der Gökova-Bucht und dem Kap Gelidonya wird von örtlichen Naturschützern gemeinsam mit Fischergemeinden verwaltet. Das Endangered Landscapes & Seascapes Programme unterstützte sie 2019 mit drei Millionen Dollar, berichtet das Good News Network. Die geschützte Fläche hat sich seither verdreifacht. Sechs Meeresschutzgebiete umfassen heute rund 40.000 Hektar.
Zwischen 2019 und 2023 richteten die Teams 18 fischereifreie Zonen ein oder vergrößerten sie. Geleitet wird die Arbeit von dem türkischen Naturschützer Zafer Kızılkaya. Er ist Mitgründer der Mediterranean Conservation Society, Akdeniz Koruma Derneği, und erhielt 2023 den Goldman Environmental Prize. Das Förderprogramm ging aus einer Initiative der Universität Cambridge hervor und wird vom britischen Arcadia Fund finanziert.
Die Gökova-Bucht lieferte das Vorbild. Sie wurde 2010 zum ersten Meeresschutzgebiet der Türkei, fast die Hälfte der Bucht wurde für die Grundschleppnetzfischerei gesperrt. Das berichtete Euronews am 28. April 2026. Die Kontrolle liegt bei den Menschen vor Ort. Meeresranger, viele davon selbst Fischer, patrouillieren täglich 100 Kilometer Küste.
Die Ergebnisse lassen sich beziffern. Knapp 73 Prozent aller in der Türkei vorkommenden Fischarten leben laut Euronews in der Bucht. Mönchsrobben ziehen dort wieder Junge auf, und Sandbankhaie sind in die weitere Meereslandschaft zurückgekehrt. Das Einkommen der örtlichen Fischer ist um 300 Prozent gestiegen, berichtet die Organisation Revive Our Ocean.
Eine der Rangerinnen ist die 28-jährige Ayşenur Ölmez. Sie wuchs mit der Fischerei in der Gökova-Bucht auf und wurde die erste Meeresrangerin der Türkei. „Ich nenne das Meer mein Zuhause. Ich nenne Gökova mein Zuhause. Und um mein Zuhause zu schützen, musste ich etwas tun“, sagte sie Revive Our Ocean.
Der Druck ist damit nicht verschwunden. Der Tourismus in der Region wächst, und mit ihm der Bootsverkehr. Europaweit fällt die Bilanz noch schwächer aus: In mehr als der Hälfte der 6000 europäischen Meeresschutzgebiete arbeiten Grundschleppnetzfischer, berichtete Euronews. Als Gründe nennt der Bericht Lobbyarbeit, mangelnde Kontrolle und die Lücke zwischen Naturschutz- und Fischereirecht.
