Dinosaurier wurden nie so klein wie eine Maus. Ein Forschungsduo des American Museum of Natural History und der Princeton University hat nun eine Erklärung dafür vorgelegt. Nicht die Physiologie setzte die Grenze, sondern vermutlich die Konkurrenz durch frühe Säugetiere. Die Arbeit erschien im Fachjournal "Evolution".
Stephanie Lechki und Roger Benson prüften die Körpergröße von Wirbeltieren mit einem mathematischen Modell. Es berechnet, bei welchem Gewicht sich ein Tier am energieeffizientesten fortpflanzt. Für heutige Säugetiere, Vögel und Schildkröten trifft das Modell zu. Für Dinosaurier ohne Vogelstatus versagt es deutlich.
Das Modell sagt für Dinosaurier eine häufigste Körpermasse von etwa drei Kilogramm voraus. Die aus Fossilien ermittelte häufigste Masse liegt bei rund 180 Kilogramm. Selbst die kleinsten bekannten Arten wogen etwa 400 Gramm, so viel wie eine Stadttaube. Dazu zählen die gefiederten Microraptoren aus der frühen Kreidezeit, die vor rund 145 Millionen Jahren begann. Sie waren mindestens 200-mal so schwer wie die Bienenelfe, der kleinste heutige Vogel mit 1,75 Gramm, und die Etruskerspitzmaus mit etwa 1,8 Gramm.
Die Lücke ist keine Fundlücke
Der naheliegende Einwand lautet, dass winzige Knochen schlicht schlechter überdauern. Lechki und Benson halten das für unwahrscheinlich. In denselben Lagerstätten, die Dinosaurierknochen bewahren, finden sich regelmäßig auch Säugetiere, Amphibien und Echsen. Wären mausgroße Dinosaurier verbreitet gewesen, müssten einige von ihnen aufgetaucht sein.
Bleibt die Ökologie. Die kleinen Nischen waren nach Ansicht der beiden bereits besetzt. "Wir wussten bereits, dass Dinosaurier die Entwicklung von Säugetieren zu großen Tieren vor dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit verhinderten. Hier legen wir nahe, dass Säugetiere wiederum die Entwicklung von Dinosauriern zu kleinen Tieren verhinderten", sagt Benson.
Für die Vögel ergibt sich daraus eine Pointe. Sie stammen von Dinosauriern ab und unterschreiten die Größe ihrer Vorfahren heute deutlich. Den Ausschlag gab nach Einschätzung der Forschenden der aktive Flug. Er erschloss Lebensräume, die am Boden vergeben waren.
Das Modell hat Grenzen, und die Autoren benennen sie. Bei heutigen Eidechsen und bei flugunfähigen Inselvögeln passt es ebenfalls nicht, wie der "Spiegel" berichtet. Auch dort könnten ökologische Zwänge die Verteilung verschieben. Zudem sind große Fossilien leichter zu finden als kleine, was den beobachteten Wert von 180 Kilogramm nach oben verzerren dürfte. Die Frage, warum die Erde heute von kleinen Tieren beherrscht wird, hängt an dieser Lücke. "Wenn wir verstehen wollen, wie die heutige Artenvielfalt entstanden ist, müssen wir verstehen, warum winzige Dinosaurier offenbar fehlten", sagt Lechki.