Am Südrand von Ellwangen entsteht ein Wohnquartier, das Regenwasser bis zu fünf Jahre in einem weitgehend geschlossenen Kreislauf halten soll.

Rund 2000 Menschen sollen dort auf dem Gelände der ehemaligen Reinhardt-Kaserne leben. Die Stadt im Ostalbkreis setzt das Prinzip der Schwammstadt für das gesamte Quartier um. Ein solches Quartier saugt Niederschlag auf, speichert ihn und gibt ihn verzögert durch Verdunstung, Versickerung oder Wiedernutzung wieder ab.

„Für Ellwangen Süd wurde eine innovative Schwammstadt-Konzeption entwickelt, die so leistungsfähig ist, dass im Ergebnis sogar die erste regenwasserabflusslose Schwammstadt entsteht“, sagte Michael Bader von der Stabsstelle Strategische Stadtentwicklung der Schwäbischen Zeitung. Eine so weitgehende Lösung gebe es nach vorliegendem Kenntnisstand weder in Baden-Württemberg noch bundesweit oder europaweit.

Der Weg des Wassers ist im Entwurf sichtbar angelegt. Niederschlag sammelt sich zunächst auf begrünten Dächern, auf Verkehrsflächen und im Grün. Flache Rinnen und Tiefbeete säumen die Straßen und bewässern die dort gepflanzten Bäume. Dachwasser fließt in private Zisternen und dient der Bewässerung oder der Toilettenspülung.

Damit sinkt auch das Hochwasserrisiko. Ein Jahrhunderthochwasser schließen die Planer für das Gebiet nahezu aus. Reicht die Speicherkapazität bei extremem Regen doch einmal nicht aus, fließt das Wasser mit zehn Litern pro Sekunde in die Jagst ab. Zum Vergleich nennt Bader die Sturzflut von Braunsbach am 29. Mai 2016. Dort schossen rund 150 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch den Orlacher Bach.

Berücksichtigt wurden auch Dürresommer, Wassermangel und die daraus folgenden Grenzen für die Wasserentnahme. „Diese starke Schwammwirkung konnte dabei ohne zusätzlichen Flächenbedarf erreicht werden“, sagte Bader.

Organisatorisch ist das Projekt bereits aufgestellt. Der Gemeinderat gründete eine städtische Entwicklungsgesellschaft und vergab die Projektsteuerung an die Kommunalentwicklung GmbH (KE) der LBBW Immobilien, berichtet die Schwäbische Post. Die KE hat ihre Büros in der Reinhardtstraße 15 bezogen. Sie hat zuvor das Französische Viertel in Tübingen und den Stadtteil Hubberg in Würzburg entwickelt, beide ebenfalls auf früherem Militärgelände.

Die Fläche selbst wird erst nach und nach frei. Mit dem Land vereinbarte die Stadt das Ende der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zum Jahresende 2025. Oberbürgermeister Michael Dambacher sagte der Schwäbischen Post, die Entwicklung eines so großen Baugebiets übersteige die Möglichkeiten der Stadtverwaltung, parallel zur Erweiterung des Gewerbegebiets und zur Landesgartenschau 2026.

Ob das Konzept auch wirtschaftlich trägt, entscheidet sich beim Verkauf der Grundstücke. Die Fachleute der KE rechnen mit guten Chancen, weil der Wohnungsmarkt ausgetrocknet sei. Bei ihm würden ständig mögliche Bauherren vorstellig, sagte Dambacher, „auch Firmen aus der Region, die Mitarbeiterwohnungen brauchen“.