Dass sich die Bahn eines Asteroiden gezielt verschieben lässt, ist seit 2022 keine Theorie mehr: Der Einschlag der NASA-Sonde DART verkürzte die Umlaufzeit des kleinen Mondes Dimorphos um 33 Minuten. Offen blieb die schwierigere Frage — was ein solcher Körper innen eigentlich ist und wie er auf den Stoß reagiert. Chinas erste Mission zur planetaren Verteidigung ist genau darauf zugeschnitten, und sie hat nun einen Starttermin.

Anders als DART soll sie zwei Raumfahrzeuge mit einer einzigen Rakete transportieren, einer Langer Marsch 3B vom Kosmodrom Xichang. Ein Beobachter erreicht das Ziel zuerst und vermisst es mehrere Monate lang aus der Nähe: Größe, Form, Zusammensetzung, Bahn. Erst danach rast der zweite Flugkörper hinein. Der Beobachter verfolgt den Einschlag und dokumentiert anschließend ein halbes bis ganzes Jahr, was er verändert hat. Es ist die Verbindung dessen, was NASA und ESA mit DART und der Nachfolgesonde Hera nacheinander getan haben — in einem Anflug.

Das Zielobjekt wurde dabei mehrfach neu bestimmt. Frühere Missionsprofile nannten 2020 PN1, dann 2019 VL5, zuletzt den rund 30 Meter großen erdnahen Asteroiden 2015 XF261. Für dieses Profil beschreibt ein Team um Nan Zhang von der Tsinghua-Universität eine Einschlaggeschwindigkeit von neun Kilometern pro Sekunde — schnell genug, um den Körper nicht nur abzulenken, sondern aufzubrechen und damit erstmals einen Blick in sein Inneres zu erlauben.

Start im Dezember 2027, Einschlag 2029

Den bislang konkretesten Zeitplan präsentierte Long Lehao, Chefkonstrukteur der Langer-Marsch-Raketen, auf einer Branchenkonferenz in Shenzhen: Start im Dezember 2027, als Ziel nun der kleine Aten-Asteroid 2016 WP8. Der Beobachter soll unterwegs an der Venus vorbeifliegen, 2029 am Asteroiden ankommen und ihn einige Monate studieren, bevor der Impaktor noch im selben Jahr einschlägt. Chinas Fünfjahresplan für 2026 bis 2030 führt die Mission ausdrücklich auf; einen Namen sucht die Raumfahrtbehörde derzeit per öffentlichem Aufruf.

Der Nutzen liegt nicht in einer akuten Bedrohung. Rund 1,4 Millionen Asteroiden sind katalogisiert, mehr als 38.000 davon erdnah und etwa 2.500 als potenziell gefährlich eingestuft — Körper ab 140 Metern, die der Erdbahn nahe kommen. Ein Einschlag großer Objekte in den kommenden hundert Jahren gilt als unwahrscheinlich; ein Asteroid von einem Kilometer Durchmesser trifft die Erde statistisch alle 700.000 Jahre.

Genau deshalb ist der Zeitpunkt günstig. Ein Ablenkmanöver funktioniert nur mit jahrelangem Vorlauf und nur, wenn man weiß, wie ein Zielkörper aufgebaut ist. Ob ein Asteroid ein loser Schutthaufen oder ein festes Stück Fels ist, entscheidet über die Wirkung jedes Stoßes. Diese Frage lässt sich billiger klären, solange sie niemanden drängt.