Bosch baut künftig humanoide Roboter im Nordschwarzwald. Die Serienfertigung im Werk Bühl soll im August 2027 anlaufen. Geplant sind zunächst mehrere hundert Einheiten. Das berichtete die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ am 21. August. Für den Konzern wäre es die erste Serienproduktion solcher KI-gesteuerten Maschinen.
Entwickelt wird der Roboter nicht in Baden-Württemberg, sondern in London. Das britische Unternehmen Humanoid baut die Plattform HMND 01 für den europäischen Markt. Bosch übernimmt die Rolle des Auftragsfertigers, berichtet das Fachmagazin Automobil Produktion. Der Konzern entwickelt also keine eigene Roboterplattform. Er soll fremde Technik in eine skalierbare Fertigung überführen.
Vorausgegangen war ein Praxistest im März 2026, ebenfalls in Bühl. Der Roboter arbeitete dort in der Intralogistik. Er bewegte selbstständig Kartons unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Gewichts von Förderbändern auf Transportwagen. Gesteuert wurde er über Humanoids KI-System KinetIQ. Nach Angaben beider Partner wurden alle Projektziele erreicht.
Die Maschinen sind dem menschlichen Körperbau nachempfunden und besitzen Kopf, Arme, Hände und Beine. Eingesetzt werden sollen sie vor allem in Fabriken und in der Logistik. Anwendungen in der Krankenpflege und im Haushalt gelten laut Handelsblatt langfristig als möglich.
Bosch prüft eigene Bauteile
Offen ist, wie tief der Konzern technisch einsteigt. Bosch teilte der Zeitung mit, möglicherweise auch Antriebe, Motoren und Sensoren zu liefern. Beide Unternehmen prüfen das derzeit. Perspektivisch sollen Bosch-Komponenten in die nächste Generation des HMND 01 einfließen.
„Diese Vereinbarung ist ein entscheidender Schritt in unserer Roadmap, um die Lücke zwischen Prototyp und Einsatz in großem Maßstab zu schließen“, sagt Artem Sokolov, Gründer und Chef von Humanoid. Bosch-Technikchef Matthias Pillin nennt als gemeinsames Ziel, die Technologie „vom Prototypenstadium in eine skalierte, zuverlässige Produktion zu überführen“.
Die Kooperation gehört zu einer breiteren Robotikstrategie. Bosch arbeitet auch mit Neura Robotics und Spirit AI zusammen. Ob humanoide Roboter den Sprung in den Fabrikalltag schaffen, entscheidet sich an Kosten, Zuverlässigkeit und Wartbarkeit. Genau diese Fragen soll die Fertigung in Bühl beantworten.