Die EU-Kommission hat das Bietverfahren für bis zu sieben KI-Gigafactories eröffnet. Für den Bau dieser Großrechenzentren stehen bis zu zehn Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln bereit, von der EU und den beteiligten Mitgliedstaaten. Diese Anschubfinanzierung soll mindestens 20 Milliarden Euro privates Kapital auslösen. Das Gesamtvolumen läge dann bei über 30 Milliarden Euro.
Es geht um Rechenkapazität, und Europa hat davon zu wenig. "Der Zugang zur schieren Größenordnung an Rechenleistung in KI-Gigafactories ist eine strategische Notwendigkeit für Europa, während sich die KI-Entwicklung beschleunigt", sagte Henna Virkkunen, in der Kommission zuständig für technologische Souveränität. Hinter dem Begriff steht die Sorge, von Technik ausländischer Anbieter abhängig zu sein.
Vergeben werden die Mittel über die europäische Supercomputing-Initiative EuroHPC Joint Undertaking. Das Verfahren kennt zwei Förderklassen. Die erste unterstützt bis zu vier Projekte mit zunächst je bis zu 100 Millionen Euro, in einer zweiten Phase mit bis zu 400 Millionen. Diese Standorte müssen dann mindestens das Dreifache der Prozessorkapazität der derzeit stärksten europäischen KI-Fabrik bereitstellen. Die zweite Klasse richtet sich an bis zu drei größere Vorhaben, mit bis zu 200 Millionen Euro in Phase eins und bis zu 800 Millionen in Phase zwei, bei vierfacher Rechenkapazität.
Was in den Hallen stehen soll
Jede Gigafactory soll mindestens 100.000 hochmoderne KI-Chips fassen. Das macht sie rund viermal leistungsfähiger als die Rechenzentren, die heute in der EU laufen. Die derzeitige europäische Rechenleistung verteilt sich auf ein Netz von 19 KI-Rechenzentren von Finnland bis Spanien. Gehen die sieben neuen Anlagen in Betrieb, wird sie sich nach Angaben der Kommission mehr als verdoppeln.
Der Abstand, den das Programm verkleinern soll, ist erheblich. Nach einer Erhebung der US-Notenbank Federal Reserve aus dem Jahr 2025 liegt Europa in zentralen Feldern der KI-Entwicklung deutlich hinter den USA und China. China verfügt über enorme Stromkapazitäten für Rechenzentren, in die USA fließt der Löwenanteil privater KI-Investitionen.
Ob aus der Ausschreibung Anlagen werden, entscheidet sich erst mit den Geboten. Die Kommission hat bislang das Geld und die Anforderungen festgelegt, nicht die Standorte.