Ein System der künstlichen Intelligenz verschafft Meteorologen bei tropischen Wirbelstürmen rund einen Tag mehr Vorwarnzeit. Das berichtet eine Studie im Fachjournal Nature.

Das System heißt WeatherNext Cyclones. Forschende von Google DeepMind haben es entwickelt. Es sagt Zugbahn, Stärke und Größe tropischer Wirbelstürme weltweit voraus, bis zu 15 Tage im Voraus. Geprüft wurde es an Stürmen aus den Jahren 2023 bis 2025.

Bei diesen Stürmen lagen seine Vorhersagen im Mittel einen Tag oder mehr vor denen der führenden operationellen Modelle. Die Autoren ordnen diesen Gewinn historisch ein. Er entspricht dem, was die klassische Vorhersage in einem ganzen Jahrzehnt der Entwicklung erreicht hat.

Zwei Entscheidungen im Aufbau brechen mit der bisherigen Praxis. Regionale Sturmmodelle rechnen räumlich sehr fein. WeatherNext Cyclones nutzt um Größenordnungen gröbere Eingangsdaten und hält bei der Intensität trotzdem mit. In groben Atmosphärendaten steckt damit mehr Information über die Stärke eines Sturms als bisher angenommen, argumentiert die Studie.

Die zweite Entscheidung ist die schiere Menge. Herkömmliche Systeme rechnen rund 50 Varianten einer Vorhersage, um deren Unsicherheit abzuschätzen. Das KI-Modell schafft bis zu 1000. Seltene und extreme Verläufe zeigen sich in der größeren Menge zuverlässiger, berichten die Autoren. Auch ein gewichteter Zusammenschluss bestehender Vorhersagen wurde besser, sobald das Modell hinzukam.

Die Wirbelsturm-Arbeit von Google DeepMind hat sich bereits an echten Stürmen bewährt. In der atlantischen Hurrikansaison 2025 nahm das US-amerikanische National Hurricane Center KI-Modelle in sein übliches Instrumentarium auf, darunter das System von DeepMind. Das berichtete CNN am 3. Dezember 2025. Die Meteorologen schrieben ihm Hilfe beim schwierigsten Teil ihrer Arbeit zu, dem Moment, in dem ein Sturm sich sehr rasch verstärkt.

Bevor Hurrikan Melissa Jamaika als Sturm der Kategorie 5 traf, gab das Modell den Meteorologen rund drei Tage vorher ungewöhnlich viel Sicherheit bei genau dieser raschen Verstärkung. Laut CNN sagte das National Hurricane Center damit erstmals eine Kategorie 5 voraus, schon als sich der Sturm als Hurrikan der Kategorie 1 bildete.

Der erste Einsatz in Echtzeit lag früher, bei Hurrikan Erin. "Das Modell von Google DeepMind hat es ein wenig besser gemacht als alle anderen", sagte James Franklin, früherer Leiter der Hurricane Specialist Unit des National Hurricane Center, gegenüber CBS News Miami.

Bei einzelnen Stürmen bleiben die Meteorologen bewusst zurückhaltend. Wallace Hogsett, Wissenschafts- und Einsatzleiter des National Hurricane Center in Miami, sagte CNN, viel wichtiger als ein Einzelfall sei die Leistung über eine ganze Saison.