Ein supermassereiches Schwarzes Loch muss nicht im Zentrum seiner Galaxie sitzen. Astronomen der University of Maryland haben erstmals eines weit außerhalb nachgewiesen. Es steht rund 30.000 Lichtjahre vom Kern seiner Galaxie entfernt. Das entspricht etwa dem Abstand der Sonne zum Zentrum der Milchstraße. Die Studie erschien am 27. Juli in den "Astrophysical Journal Letters".
Ruhende Schwarze Löcher senden kein Licht aus. Sichtbar werden sie fast nur dann, wenn ihre Gezeitenkräfte einen Stern zerreißen. Dieses Ereignis heißt Tidal Disruption Event, kurz TDE. Es leuchtet kurz auf und verblasst danach langsam. Pro Galaxie tritt es im Mittel nur alle 100.000 Jahre auf. Bisher kennen Forschende rund hundert solcher Ausbrüche, und fast alle stammen aus Galaxienzentren.
Eine KI durchsuchte den Nachthimmel
Das Team um Robert Stein änderte deshalb die Suchstrategie. Es trainierte einen Algorithmus auf das typische Lichtmuster eines TDE. Ab August 2025 durchforstete das Programm die Daten der Zwicky Transient Facility am Palomar-Observatorium in Kalifornien. Deren zwei Teleskope scannen den nördlichen Himmel alle zwei Tage. Rund 500.000 veränderliche Objekte pro Nacht prüfte die Software. Nach drei Monaten meldete sie einen Treffer weit abseits eines Galaxienkerns.
Das Ereignis trägt die Bezeichnung TDE 2025abcr und liegt in einer Galaxie in rund 750 Millionen Lichtjahren Entfernung. Nachbeobachtungen mit weiteren Instrumenten schlossen andere Erklärungen aus, erklärt Ko-Autor Jonathan Carney von der University of North Carolina at Chapel Hill. Das Schwarze Loch bringt etwa vier Millionen Sonnenmassen auf die Waage. Damit ist es so schwer wie Sagittarius A* im Herzen der Milchstraße. Auf älteren Aufnahmen ist an seiner Position nichts zu erkennen. "Man hätte nicht vermutet, dass sich dort ein Schwarzes Loch versteckt", sagt Stein.
Wie kam es dorthin? Die Forschenden vermuten eine Galaxienverschmelzung. Eine kleinere Galaxie wurde von der größeren zerrissen und ließ ihr Schwarzes Loch zurück. Ein Rückstoß aus der Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher passt schlechter zu den Daten, berichtet "Sky & Telescope". Das Objekt bewegt sich nämlich kaum anders als seine Wirtsgalaxie.
Offen bleibt, wie viele solcher Wanderer es gibt. Suvi Gezari, ebenfalls University of Maryland, hält den Fund für den Anfang einer Reihe. Ihre Zahl würde verraten, wie oft eine Galaxie in ihrer Geschichte verschmolzen ist. Eine unabhängige Gruppe um Kishore Patra von der University of California, Santa Cruz hat das Objekt bereits mit den Keck-Teleskopen und dem James-Webb-Weltraumteleskop beobachtet. Deren Auswertung liegt bisher nur als Preprint vor und ist nicht begutachtet.